AUSTRIA IN EUROVISION (1990 – 1999)

Song: Keine Mauern mehr
Musik: Marc Berry, Nanna Berry
Text: Mario Botazzi
Interpret: Simone
Punkte: 58
Platz: 10

Als Zweitplatzierte zum Eurovision Song Contest nach Zagreb

Am Beginn der 1990er durfte Simone, mit dem Song Keine Mauern mehr, Österreich beim Eurovision Song Contest in Zagreb vertreten. Dort erreichte sie mit 58 Punkten den 10. Platz unter 22 Teilnehmer.

Punkte für Österreich

12 Italien
08 Großbritannien, Jugoslawien
07 Türkei
06 Island
05 Luxemburg
03 Frankreich
02 Belgien, Finnland, Irland, Schweden
01 Niederlande

Simone Stelzer begann ihre Karriere im Alter von 15 Jahren als Sängerin der Band „Peter Pan“, die es 1985 mit der Single A Night in Hippodrome in die Ö3-Charts schaffte. Nach ihrer ESC-Teilnahme wurde sie eine erfolgreiche Schlagersängerin, und veröffentlichte viele Alben. 1994 nahm Simone ein weiteres mal an der nationalen Vorausscheidung zum ESC und erreichte dort mit dem Song Radio den 4. Platz.

Nationale Vorausscheidung (15. März 1990)

Die nationale Vorausscheidung fand am 15. März in Studio Z1 in ORF-Zentrum statt und wurde von Lizzi Engstler moderiert. Es nahmen 10 Kandidaten teil. Der Gewinner wurde zu jeweils 50% der Stimmkraft von einer Experten-Jury und Zuschauer per Televoting gewählt.

Der eigentliche Siegersong Das Beste wurde von der Band Duett gesungen, die aber trotzdem nicht zum Wettbewerb nach Zagreb fahren durfte. Die Performance des Songs war die „tragischste“ in der Geschichte der österreichischen Vorausscheidungen: Die Bandsängerin kam auf der Bühne, sang ein paar Takte, und wurde ohnmächtig! Die Band durfte nach dem letzten Song erneut ihren Song vortragen und interessanterweise gewannen sie auch die Vorausscheidung! Dann aber … Man fand heraus, dass der Song bereits 1988 bei der deutschen Vorausscheidung in einem Semifinale (ausgestrahlt als Radiosendung) teilnahm, und wurde disqualifiziert. Konsequenterweise durfte Simone mit Keine Mauern mehr, als Zweitplatzierte nach Zagreb fahren.

01. Duett – Das Beste – 39,3%
02. Simone – Keine Mauern mehr – 27,6%
03. Papageno – Papagena – Sonnenkind – 25,4%
04. Waterloo – So Ein Wunderschönes Leben – 23,8%
05. Eugène Price – Tausend Feuer Sind In Mir – 16,7%
06. Nika – Ein kleiner Stern – 16,4%
07. Alex – Freiheit – 16,3%
08. Erwin Bros – Für Kinder sieht das anders aus – 12,7%
09. Stefanie Pascal – Mit dir geh´n – 12,3%
10. Roxy – Sandy – 9,9%

Song: Venedig im Regen
Musik: Robby Musenbichler, Hubert Moser
Text: Wolfgang Eltner
Interpret: Thomas Forstner
Punkte: 0
Platz: 22

Zum dritten mal 0 Punkte für Österreich

1991 wurde Thomas Forstner, als Gewinner der nationalen Vorausscheidung, erneut zum Eurovision Song Contest geschickt. Da er zwei Jahre zuvor in Lausanne einen großartigen fünften Platz für Österreich erreichte, waren die Erwartungen in Rom dementsprechend hoch. Thomas selbst rechnete mit einem 8. bzw. 9. Platz. Doch es kam anders; der Beitrag Venedig im Regen landete ohne Punkte auf dem letzten 22. Platz – das dritte 0 Punkte Ergebnis für Österreich in der ESC-Geschichte.

Nationale Vorausscheidung (16. März 1991)

Die nationale Vorausscheidung fand am 16. März in Studio Z1 in ORF-Zentrum statt und wurde von Andreas Steppan und Nicole Fendesack moderiert. Der Gewinner wurde zu jeweils 50% Stimmkraft von einer Experten-Jury und Zuschauer per Televoting gewählt. Das Endergebnis wurde, ohne Bekanntgabe der genauen Punkte, nur als Balken-Diagramm auf dem Scoreboard dargestellt.

01. Thomas Forstner – Venedig im Regen
02. Tony Wegas – Wunder dieser Welt
03. Alex & Elisa – Du und ich
04. Erwin Bros – Nur vom Frieden reden
05. Curt Strohm – Feuer
06. Fresh – Spürst du
07. Anita – Land in Sicht
08. Alex – Zurück zu dir
09. Three Girl Madhouse – 1001
10. Natasha – Gebt den Kindern dieser Welt

Song: Zusammen geh´n 
Musik: Dieter Bohlen
Text: Joachim Horn-Bernges
Interpret: Tony Wegas
Punkte: 63
Platz: 10

Dieter Bohlen erneut im Einsatz für Österreich

Nach dem Desaster von Rom beschloss ORF 1992 interne Wege zu gehen. So hat man entschieden den Zweitplatzierten vom Vorjahr, Tony Wegas, zum Eurovision Song Contest nach Malmö zu schicken. Es müsste nur noch ein passender Song her. Dafür holte man wieder Dieter Bohlen ans Board, den den Song Zusammen Geh´n für Tony Wegas schrieb. Die Belohnung in Malmö war ein 10. Platz.

In einem späterem Interview meinte Bohlen, „für ihn sei es eine Katastrophe gewesen einen Song zu schreiben, der nur einen Platz 10 Wert ist“. Tony Wegas dazu: “Er habe mit Bohlen nicht einmal drei-vier Minuten in Malmö gesprochen, Bohlen hat sich am Ende gar nicht von ihm verabschiedet“. Interessanterweise veröffentlichte Bohlen erneut den Song 10 Jahre später für seine DSDS Show.

Punkte für Österreich

12 Irland
10 Großbritannien
08 Belgien, Zypern, Griechenland
07 Dänemark
04 Malta
03 Portugal
02 Spanien
01 Schweden

Song: Maria Magdalena
Musik: Christian Kolonovits, Johann Bertl
Text: Thomas Spitzer
Interpret: Tony Wegas
Punkte: 32
Platz: 14

Wäre eine bessere Performance gewesen …

Da es für Österreich 1992 in Malmö nicht so schlecht lief, beschloss ORF Tony Wegas intern für den Eurovision Song Contest 1993 zu nominieren. Der Song, mit dem er Österreich dann in Millstreet vertreten soll, wurde durch eine Vorausscheidung gewählt, in der Tony Wegas alle Songs sang. Die Wahl fiel auf den Song Maria Magdalena.

Der moderne powervolle Song, mit einer leider nicht aussagekräftigen Performance, erreichte beim Eurovision Song Contest in Millstreet nur den 14. Platz. Die Juroren vergaben an den Beitrag nur 32 Punkte. Aus Bosnien & Herzegowina gab es immerhin einen 12er. Vielleicht war dies eine kleine Dankbarkeit für die österreichische Hilfsaktion „Nachbar in Not„.

Punkte für Österreich

12 Bosnien und Herzegowina
06 Irland
04 Türkei
03 Belgien, Frankreich, Großbritannien
01 Griechenland

Tony Wegas hatte in den folgenden Jahren immer größere Probleme mit Drogen wie Alkohol, Kokain und Heroin. Schließlich kam er im April 1997 für 30 Monate ins Gefängnis. Nach seiner Enthaftung am 1. Oktober 1999 brachte er mit seinem Ex-Therapeuten Andreas Mauerer das autobiografische Buch „Nüchtern betrachtet“ heraus.

Nationale Vorausscheidung (30. März 1993)

Die nationale Vorausscheidung fand am 30. März in ORF-Zentrum statt und wurde von Andreas Steppan und Michael Niavarani moderiert. Eigentlich war dies nur die Präsentation der Abstimmun, da der Gewinnersong schon Wochen zuvor gewählt wurde. Alle sieben Songs wurden von Tony Wegas gesungen und im Februar im Radio gespielt. Die Öffentlichkeit wurde dazu eingeladen, für seinen Favoriten per Postkarten abzustimmen.

In der TV-Show wurden sieben aufgenommene Videos gezeigt und am Ende das Postkarten-Ergebnis präsentiert. Aus 15.245 Einsendungen gingen 6170 an Konto von Maria Magdalena. Bis auf Platzierungen sind andere Detailergebnisse nicht bekannt.

01. Maria Magdalena – 6170
02. Einfach so
03. Mitten in der Nacht
04. Nie wieder
05. La Luna
06. Es wird alles gut
07. Tief in mir

Song: Für den Frieden der Welt
Musik: Alfons Weindorf
Text: Karl & Johann Brunner
Interpret: Petra Frey
Punkte: 19
Platz: 17

Ein bisschen Frieden auf österreichische Art

Als Gewinnerin der nationalen Vorausscheidung fuhr Petra Frey zum Eurovision Song Contest 1994 nach Dublin. Der Song Für den Frieden der Welt klingt irgendwie wie eine Abklatsch-Version Nicoles Ein bisschen Frieden, was auch einige Kommentatoren aus den verschiedenen Ländern bemerkten. Dennoch erreichte der Beitrag bei nur 19 Punkten einen 17. Platz unter 25 Teilnehmer.

Punkte für Österreich

07 Zypern
05 Bosnien und Herzegowina
03 Großbritannien
02 Kroatien
01 Rumänien, Schweden

Nationale Vorausscheidung (8. März 1994)

Die nationale Vorausscheidung fand diesmal nicht in ORF-Zentrum statt sondern wurde in die damals sehr beliebte Diskothek „Nachtwerk“ verlegt. Es nahmen 8 Kandidaten teil, die Vorausscheidung moderierte Alfons Haider. Der Gewinner wurde durch neun regionalen Juroren bestimmt.

01. Petra Frey – Für den Frieden der Welt – 57
02. Three Girl Madhouse – Solitaire – 49
03. Carl Peyer – Du und ich – 33
04. Simone – Radio – 32
05. Jane Palmer – Flieg heute Nacht – 20
06. Alex – Highway – 13
07. Etta Scollo – Amico Pierre – 8
08. Marc Berry – Swingin‘ out – 4

Simone vertrat bereits Österreich 1990 in Zagreb, Marc Berry war 1980 in Den Haag Mitglied der Band Blue Danube.

Song: Die Welt dreht sich verkehrt
Musik: Mischa Krausz
Text: Mischa Krausz
Interpret: Stella Jones
Punkte: 63
Platz: 13

Die Welt dreht sich verkehrt auf Platz 13 in Dublin

1995 entscheidet ORF den österreichischen Eurovision Song Contest Teilnehmer intern zu wählen. Man sucht zwar öffentlich den Interpreten, die Entscheidungen werden jedoch hinter geschlossenen Türen getroffen. Die Wahl fiel auf die Soul- und Jazz-Sängerin Stella Jones. Der Song Die Welt dreht sich verkehrt, mit dem Stella in Dublin an den Start ging, stammt aus den Federn von Mischa Krausz.

Der Song kam in der Point Theater Halle zwar gut an, dennoch erreichte Stella, trotz viele Bewertungen, nur Platz 13 unter 23 Teilnehmer. Mit dieser Platzierung sicherte sich Österreich jedoch die Eurovision Song Contest Teilnahme in 1996.

Punkte für Österreich

10 Belgien, Dänemark
08 Frankreich
07 Griechenland
06 Spanien
05 Großbritannien
04 Ungarn, Schweden, Türkei
03 Norwegen
02 Israel, Polen, Portugal

Mit der Band Powerpack und dem Titel Birthday Song hatte Stella Jones 1992 ihren ersten Nummer-Eins-Song in der österreichischen Hitparade. In 2008 erschien ihr Album The Pursuit of Silence mit 15 Eigenkompositionen, für das sie auch selbst als Produzentin verantwortlich zeichnet. In 2014 war sie in der Österreichischen Jury zum Eurovision Song Contest 2014.

Song: Weil´s dr guat got
Musik: Mischa Krausz, George Nussbaumer
Text: Mischa Krausz, George Nussbaumer
Interpret: George Nussbaumer
Punkte: 68
Platz: 10

In der Qualifikationsrunde Sechster, beim ESC dann Zehnter

Auch 1996 verwendete ORF dasselbe Auswahlverfahren wie ein Jahr zuvor. Der Komponist war derselbe, der Sänger George Nussbaumer stammt aus Vorarlberg. Der Song Weil´s dr guat got war eine Mischung aus Soul und Gospel und wurde erstmals nach 1971 in Mundart gesungen.

In diesem Jahr musste Österreich eine besondere Hürde überwinden: Da es insgesamt 30 Anmeldungen für den ESC gegeben hatte, musste sich die EBU vom bisherigen Qualifikationssystem – die letztplatzierten Länder des Vorjahres dürfen nicht am darauffolgenden Wettbewerb teilnehmen – verabschieden und führte eine interne Qualifikationsrunde ein, in der sich alle Länder außer Gastgeber Norwegen qualifizieren mussten. Die Besten 22 Länder dürfen dann zum ESC nach Oslo. In dieser Qualifikationsrunde erreichte Österreich sogar den 6. Platz. Beim ESC in Oslo war es dann mit 68 Punkten doch „nur“ wieder einmal der 10 Platz.

Punkte für Österreich

12 Frankreich, Malta
08 Irland, Polen
07 Estland
06 Bosnien und Herzegowina
05 Portugal
04 Türkei
03 Slowakei
02 Griechenland
01 Slowenien

In den 1980er Jahren nahm George Nussbaumer an einem Wettbewerb teil, der als ersten Preis die Produktion einer eigenen Single in Aussicht stellte. Er gewann zwar den Wettbewerb, der Veranstalter wollte jedoch plötzlich nichts mehr von der Single-Produktion wissen. Über Umwege kam sie dann doch noch zustande und wurde 1984 mit dem Titel Love Me Pretty Woman veröffentlicht.

1992 brachte er mit Hilfe von Sponsoren in eigener Produktion sein erstes Album namens Voices Live heraus. Nach dem großen Erfolg des ersten Albums veröffentlichte er 1993 ein zweites Album mit dem Namen You Know what I Mean.

1996 und 1999 veröffentlichte er zwei weitere Alben namens Crazy but I Do und The Love Within. In dieser Zeit trat er nicht nur in kleinen Solo-Konzerten, sondern unter anderem auch im Vorprogramm von Joe Cocker, B.B. King, Willy DeVille und Dr. John auf.

Seit 1999 moderierte George Nussbaumer auf dem privaten Radiosender Antenne Vorarlberg seine eigene, auf Soul & Blues ausgerichtete Radiosendung. Nach der Einstellung der Sendung wird er die Station-Voice des Senders.

Song: One Step
Musik: Marc Berry
Text: Ina Siber
Interpret: Bettina Soriat
Punkte: 12
Platz: 21

One Step Forward und einige zurück

Für die 1997er ESC-Ausgabe wählte eine Expertenjury des ORF Bettina Soriat, die bereits im Vorjahr im Background für George Nussbaumer gesungen hatte, Österreich beim Eurovision Song Contest 1997 in Dublin zu vertreten. Der von Marc Berry und Ina Siber geschriebene Song One Step, bekam trotz guter Bühnenperformance, nur 12 Punkte – 5 aus Ungarn, jeweils 3 aus Russland und Niederlanden, und einen aus Polen – und erreichte damit den 21. Platz unter 25 Teilnehmer. Aufgrund dessen, musste Österreich beim Eurovision Song Contest im Folgejahr eine Pause einlegen.

Bettina Soriat wurde in Linz geboren, wo sie von 1982 bis 1985 eine Tanzausbildung machte, danach besuchte sie bis 1987 die Musicalschule am Theater an der Wien. 2015 trat sie im Rahmen der 20 Jahre OGAE Austria Feier auf.

Song: Reflection
Musik: Dave Moskin
Text: Dave Moskin
Interpret: Bobbie Singer
Punkte: 65
Platz: 10

Reflection in Your Eyes

Nach einem Jahr Zwangspause präsentierte sich ORF jung und frisch und schickte eine sympathische Sängerin zum Eurovision Song Contest nach Jerusalem – Bobbie Singer. Der Song Reflection war sehr modern und Österreich erreichte wieder einmal einen 10. Platz unter 23 Teilnehmer. Für eine bessere Platzierung fehlte aber etwas: Der Song, komponiert vom Dave Moskin, hatte eigentlich keinen wirklichen Refrain. Für ihren Auftritt sammelte Bobbie insgesamt 65 Punkte.

Punkte für Österreich

08 Estland, Island
07 Schweden, Großbritannien
06 Belgien, Norwegen
05 Deutschland, Portugal
04 Slowenien
03 Dänemark, Polen
02 Niederlande
01 Zypern

Bobbie Singer, eigentlich Tina Schosser, wurde in Linz geboren. Aufgewachsen ist sie im oberösterreichischen Buchkirchen. Sie lernte mit Unterstützung ihrer musikalischen Familie Gitarre und Klavier. Mit 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Song und lernte während eines privaten Auftritts einen Manager kennen, der ihr mit 16 Jahren im Jahr 1996 ihren ersten Plattenvertrag vermittelt hat. Sie nahm die Single Egoistic auf, die sich jedoch nicht sehr hoch in den Charts platzieren konnte.

„Für mich war die Erfahrung auf der ESC-Bühne so viel mehr, als ich mir jemals erträumt hätte.“ – sagte Tina Schlosser in einem ORF-Interview. Den Antritt beim ESC bereue sie nicht eine Sekunde: „Das waren einfach unfassbar viele, schöne Erfahrungen, die ich schon sehr jung machen durfte.“