Nach 44 Jahren holen sich die Niederlande wieder einen Sieg beim Eurovision Song Contest

4 Stunden live aus Tel Aviv und am Ende setzte sich der Favorit doch noch durch. Duncan Laurence siegte mit Arcade beim 64. Eurovision Song Contest. Doch sein Erfolg war nicht so deutlich wie erwartet. Er musste bis zur letzten Minute zittern. Ein langer Eurovisionsabend, der mit dem Pausenact Madonna die größte Enttäuschung erlebte.

Der Abend begann sehr furios. Vorjahressiegerin Netta steuerte visuell einen Flieger nach Tel Aviv und an Bord saßen die 26 Teilnehmer des 64. Finales. Tolle Einblendungen der Stadt Tel Aviv und als Fluglotse im Kontrollraum Jon Ola Sand, der Supervisor der EBU. Nach und nach durften symbolisch die einzelnen Delegationen dem Flieger entsteigen und sich auf der Bühne präsentieren. Unterbrochen wurde das Defilee durch Auftritte der israelischen Heroen Dana International, Ilanit und Nadav Guedj. Ilanit sang ihren Song von 1973 Ey sham, dem ersten Song Israels beim Eurovision Song Contest und Dana International machten musikalisch Werbung für Tel Aviv, wobei Diva nicht fehlen durfte. Ein grandioses Opening.

Wie schon in den beiden Halbfinals hiessen die vier Moderatoren Europa und Australien willkommen. Ein besonderer Clou erlaubte sich der Sender KAN zum Erklären der Wertungsregeln. Man zeigte einen Zusammenschnitt aus 64 Jahren Eurovision, wo viele der Vorgänger zur Verdeutlichung des Televotings beitrugen.

Aber nun zu den 26 Liedern, die ja schon bei den beiden Halbfinal-Resümees besprochen wurden. Malta durfte eröffnen und Michela Pace konnte wesentlich befreiter auftreten, was man an ihrer Stimme merkte. Doch im Televoting wurde sie vergessen und erhielt nur 20 Punkte. Am Ende gab es Platz 16.

Albanische Musik kennt seine Liebhaber. Als Neunte erreichte Jonida Maliqi das Finale und holte dort typisch albanisch einen hinteren Mittelplatz. Hier waren sich Jury und Televoting fast einig. Platz 18 für Ktheju Tokës.

Noch zweite im Halbfinale stürzte die Gruppe Lake Malawi aus Tschechien im Finale durch nur 7 Televotingpunkten stark ab. Friend Of A Friend blieb von Startposition 3 aus wohl nicht so gut in Erinnerung.

Ähnliches dürfen wir auch für Deutschlands Sister vermuten. Carlotta und Laurita von S!sters sangen souverän und mit gutem Kameraspiel ihr Lied und erhielten 32 Punkte von den Juries. Jedoch die Televoter vergassen den Beitrag und so blieb nur Platz 24. Aber der prognostizierte letzte Platz wurde es dann doch nicht.

Ein zweiter Platz wäre für Russland schon ein Versagen gewesen und letzendlich holte Sergey Lazarev sogar nur Platz 3 wie 2016. Aber dieses Mal erntete er nur Platz 4 im Televoting und bewies stimmlich Nervosität beim Vortrag von Scream.

Grad mal so als Zehnte ins Finale gerutscht zum Leidwesen der Litauer konnte Leonora aus Dänemark mit ihrem Love Is Forever noch gut aufholen und Platz 12 einheimsen.

Zwischendurch gab es immer mal kurze Interviews ím Greenroom, aber wir machen hier erst mal mit dem Teilnehmerfeld weiter.

San Marinos Türke Serhat bewies erstaunlicherweise Stimmstärke beim finalen Vortrag von Say Na Na Na und landete zum Schluss auf Platz 20, was vor allem das Televoting verursachte. Da ist man mal gespannt, welche Länder San Marino hohe Wertungen zukommen liessen. Da die Türkei ja nicht mehr dabei ist, könnte man vermuten, dass sich die türkische Diaspora auf Serhat konzentrierte.

Ein Überrraschungspaket schnürte Nordmazedonien. Mit einer grandiosen Sängerin Tamara Todevska kam das Land verdientermassen ins Finale. Als jedoch die 12 Jurypunkte nur so purzelten, zeigten sich viele erstaunt, denn Proud hatte so niemand auf der Rechnung. Der Österreicheffekt aus 2018. Am Ende blieb Platz 8. Noch nie war das Land unter den Top Ten gelandet. Neuer Name neues Glück.

Ein Favorit auf den Sieg musste am Ende die größte Enttäuschung erleben. Als Juryerster erhielt John Lundvik zuletzt die Punkte und zeigte sich im ersten Moment sichtlich entsetzt über nur 93 Punkte aus dem Televoting, was Too Late To Love auf Platz 6 absinken liess. Schweden strandete in den letzten Jahren beim Televoting.

Sloweniens Zala Kralj & Gašper Šantl holten wie im Halbfinale einen Platz in der Mitte. Erstaunlicherweise kam der ruhige Song Sebi bei den Televotern besser an als bei den Juries.

Nur neunte im Halbfinale wurde Tamta aus Zypern. Das hatte auch wohl keiner erwartet. Aber sie wußte sich zu steigern. Stimmlich meisterte sie Replay wesentlich besser und durfte sich deswegen auf Platz 15 wiederfinden. Im Halbfinale war der Startplatz 1 für sie wohl zu früh.

Dritter bei den Juries und zweiter im Televoting. Duncan Laurence war wie Jamala 2016 der größte gemeinsame Nenner. Arcade holte zwar 492 Punkte, aber das war der niedrigste Satz seit 2016. Trotzdem freuen sich die Niederländer über den Sieg, den das Land seit 1975 wieder herbeigesehnt hat und nach 40 Jahren kehren wir wieder zu dem eurovisionsbegeisterten Niederländern zurück. Wer wird wohl 2020 moderieren?

Schneewitchens Stiefmutter war im Finale besser bei Stimme, aber Better Love geriet auch dort nicht zum Meisterwerk. Aber es gab wenigstens 12 Jurypunkte aus Zypern für Katerine Duska, was für viel ironisches Lachen im Publikum sorgte.

Zu einer Musicaldarbietung wurde der Auftritt des Gastgeberlandes. Home von Kobi Marimi, ausgestattet mit der typischen Kibbuzchoreographie, die Israel schon in den Achtzigern so sehr pflegte, bot alle Ingredienzien eines Broadwaysongs auf mit dem anschließenden emotionalen Höhepunkt: wir vergießen ein paar Tränchen. Aber seit Jahren bleibt dem Gastgeber nur ein Platz weit hinten auf dem Tableau. Israel landete auf Platz 23.

Die Sieger im Televoting waren überraschend die Norweger KEiiNO. Ihr schwungvolles Spirit In The Sky hatte wohl den Nerv des Zuschauers getroffen und das brachte 291 Punkte und am Ende Platz 5. Aber hätte man das Lied als Siegersong haben wollen?

Warum müssen die Big 5 nicht durchs Halbfinale. Weil es dann sicher einen eurovisionären Brexit geben würde und das Vereinigte Königreich nie mehr am Samstag starten dürfte. Michael Rice hatte national noch mit einer solch starken Stimme geglänzt, in Tel Aviv lag er konsequent neben den Tönen. Ein gesamtletzter Platz, wobei er mehr Televotingpunkte als Deutschland erhielt, nämlich 3. Da war er dann Bigger Than Us.

Kein zweiter Platz wie 1999 und 209 für Island, aber Hatari waren auch nicht Lordi, welche ja 2006 souverän rockig die Eurovision gewannen. Aber Hatrið mun sigra holte sich Platz 6 im Televoting, also saßen nicht nur typische Schlagerfans vor dem Bildschirm.

Stimmlich wesentlich besser als im Halbfinale, wo er unverständlicherweise Vierter wurde, kam Victor Crone mit Storm nur auf Platz 19 am Schluss. Waren es vielleicht die etwas missglückten Kameraschwenke, die zur schlechten Platzierung beitrugen?

Weißrussland mit ZENA und Like It überraschte mit seinem Finaleinzug. Heute weiß man, dass sie es so grad schafften und Polen mit zwei Punkten Abstand hinter sich ließen. Am Ende blieb der vorletzte Platz und der Beigeschmack der Jurywertung, wo das Land fast ausschließlich Länder aus der rechten Tafelhälfte mit Punkten beglückte.

Mr. Bizeps Chingiz aus Aserbaidschan galt als Mitfavorit und somit blieb für ihn am Ende Platz 7. Truth versöhnte für den Misserfolg vom Vorjahr.

Frankreichs Bilal Hassani bot eine gute Bühnenshow mit Botschaft, die auch der Zuschauer verstehen konnte. Von den Big 5 entwickelt sich Frankreich zu einem konstanteren bessere Plätze Land. Roi landete auf Platz 13 wie Mercy 2018.

San Remo findet ja eher in einem intimeren Ambiente statt. Aber Mahmood brachte nicht nur einen rhythmischen Song mit, sondern auch einen stimmigen Bühnenauftritt. Die Hintergrundbilder passten perfekt zum Vortrag. Am Ende ein zweiter Platz für Soldi. San Remo liefert schon Qualität und vielleicht zog der Erfolg in Italien mehr Zuschauer vor das TV-Gerät.

Wie Slowenien und Albanien landete zum Schluss die Serbin Nevena Božović im Mittelfeld. Die Dominanz des Balkans bei der Eurovision ist längst vorbei. Da ist das Erreichen des Finales schon ein Erfolg und ein 17. Platz für Kruna zufriedenstellend.

Neben Nordmazedonien zählt die Schweiz zu den großen Gewinnern 2019. Luca Hänni brachte den Eidgenossen den besten Platz seit 26 Jahren. Das Dirty Dancing zu She Got Me wurde visuell und musikalisch super umgesetzt und am Ende gab es Platz 4.

Die Show besass mit der Schweiz und Australien zwei der spektakulärsten Acts am Schluss. Die Idee der Australier begeisterte noch mehr die Juries als das Televoting und ein guter neunter Platz blieb am Ende für Kate Miller-Heidke und Zero Gravity. Seit Dienstag war der Song bei den Buchmachern auf Platz 2 geklettert.

Zum Abschluss wurde es dann nochmals hektisch mit Spaniens Miki. Zu La venda kann man sicher gut tanzen, aber zu einem Eurovisionssieg eignet sich der Titel weniger. Und was sollte die eine Figur da auf der Bühne? Platz 20.

Nach zwei Stunden waren alle Songs gehört und nun durfte abgestimmt werden. In diesem Jahr dauerte die Abstimmungszeit fast eine Stunde. Warum? Da brauchte es manchen Pausenact. Idan Raichel, Lior Suchard sowie Netta mit ihrem neuen Lied durften auf die Bühne. Hervorstechend war sicher das kleine Tauschkonzert von Conchita Wurst, Måns Zelmerlöw, Eleni Foureira und Verka Serduchka, die abschließend gemeinsam mit Gali Atari, die 1979 gewann, Hallelujah sangen.

Und dann kam sie. Mit einer Augenklappe ausgerüstet bestritt sie zunächst noch ein sympathisches Interview mit dem Moderator Assi Azar. Aber als Madonna dann die Bühne betrat und ihr Lied Like A Prayer anstimmte, hätten sich viele die Augenklappe lieber über die Mundpartie gewünscht. Ein Weltstar, der gänzlich neben den Tönen lag. Da half auch keine gigantische Bühnenshow, welche auch noch provokativ eine Palästina Flagge vor die Kamera brachte.

Diesen Auftritt hätte es nicht bedurft, dafür hatte Israel genügend andere schöne Momente gezaubert. Auch wenn ein reicher Mann mit so viel Geld um sich schmeißt, sollte sich die EBU doch überlegen, ob sich solch ein Aufwand rechnet.

2020 sind nun die Niederländer dran, die schon viermal den Contest ausrichteten. 1980 übernahmen sie das Wettsingen von Israel. Wir dürfen gespannt sein, was uns dann erwartet, denn nach der Eurovision ist immer vor der Eurovision.

5 KOMMENTARE

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