Hooverphonic singen „Release Me“ für Belgien in Rotterdam

In den letzten Jahren bestimmten traurige Untertöne die Siegersongs des Eurovision Song Contest. Jamala, Salvador Sobral, Duncan Laurence und sogar Netta Barzilai bedienten sich der nachdenklichen Töne, um den Concours zu gewinnen. Nun versucht es auch die belgische Gruppe Hooverphonic mit einem Abschiedslied die Herzen der internationalen Juroren und Zuschauer zu erreichen.

Belgien bei der Eurovision

Das zweigeteilte Land im Herzen Europas zählt zu den Ländern, das trotz kontinuierlicher Teilnahme seit 1956 nur wenige Erfolge auf der internationalen Bühne verzeichnen konnte. Einem Sieg 1986 stehen acht letzte Plätze und 10 Halbfinalpleiten gegenüber. In den letzten Jahren ging man daher dazu über, intern den Beitrag auszuwählen. Die Wallonen konnten mit Loïc Nottet und Blanche zwei vierte Plätze erreichen, aber 2018 und 2019 strandeten Laura Groeseneken alias Sennek und Eliot wieder im Halbfinale.

Wer ist Hooverphonic?

Mit Hooverphonic hat sich der flämische Sender VRT eine etablierte Truppe ausgesucht, welches sie schon 1. Oktober 2019 verkündete. 1995 entstand die Formation, zu deren Gründern die heutigen Bandmitglieder Alex Callier und Raymond Geerts zählen.

Schon unter dem anfänglichen Namen Hoover, ein Rechtestreit machte die Band zu Hooverphonic, konnte die Gruppe schnell in der Musiklandschaft Belgiens Fuss fassen. 1996 lieferte Hooverphonic mit dem Titel „2 Wicky“ den Soundtrack zum Film „Stealing Beauty“ von Bernardo Bertolucci.

International wurde man auf die Gruppe aufmerksam, als sie bei der Eröffnungsfeier zur Fußball-EM 2000 auftrat. Das Album „The Magnificient Tree“ lieferte dazu in Europa und den USA den Erfolg. In Israel landete man sogar auf Platz 1..

Lange Tourneen und ein Konzeptalbum schlossen sich an. 2005 wurde das Doppelalbum „(No) More Sweet Music“ veröffentlicht, worauf jeweils zweimal das gleiche Lied zu finden war nur in verschiedenen Versionen. In Belgien erhielt man dafür Platin und mit dem Songs „Wake Up“ und „You Hurt Me“ landete die Formation Verkaufserfolge,

Ein längerer Streit mit der Plattenfirma verzögerte den europäischen Siegeszug. Doch Hooverphonic war nicht zu stoppen. Insbesondere in den osteuropäischen Ländern wurde die Band zum Tourneeseller.

2007 folgte eine Neuausrichtung der Gruppe und mit „Gentle Storm“ präsentierte sie ihre erste international veröffentlichte Single. Den Weggang der langjährigen Lead-Sängerin Geike Arnaert versuchte die Band mit dem Lied „Mijn Leven“ zu verarbeiten, welches sie mit dem Krebspatienten Andy Sierens aufnahm und zu einem Nr. 1 Hit wurde.

In den folgenden Jahren übernahmen verschiedene SängerInnen die Leadstimme. Seit 2018 sorgt nun Luka Cruysberghs für den weiblichen Flair in der Band. 2017 gewann sie The Voice van Vlaanderen, wo Alex Callier ihr Mentor war.

Wir gehen zur Eurovision

Dreimal hatte das belgische Fernsehen schon bei Hooverphonic angefragt, ob sie nicht die Lust verspüren würde, das Land beim Eurovision Song Contest zu vertreten. 2020 hat die Band nun das richtige Lied für den Contest und stellt sich im Mai dem internationalem Votum.

Release Me

Aus der Feder von Alex Callier stammt der Song. Ein Lied über das Abschied nehmen, das er schrieb, als er erfuhr, dass sein Vater unheilbar krank sei. Seiner Meinung nach ist das Thema universell, denn ein jeder würde sich früher oder später mit dem Abschied von einem geliebten Menschen beschäftigen müssen.

Bei der Komposition des Titels wurde Callier unterstützt von Luca Chiaravalli, der 2017 den haushohen Favoriten „Occidentali`s Karma“ für Francesco Gabbani verfasste und in Kiew auf Platz 6 landete.

Die Bühnenpräsentation im Ahoy in Rotterdam entwickelt Hooverphonic in Zusammenarbeit mit Matthias Lebeer, Hans Pannecouke und Ignace D`Haese. Hans Pannecouke gestaltete den Auftritt der Common Linnets 2014. Die Darbietung soll aber den Stil der Gruppe widerspiegeln. Also Rettungswesten und tanzende Schwiegermütter wird es wohl nicht geben.

Man darf gespannt sein, wie sich Hooverphonic im ersten Halbfinale am 12. Mai schlägt. Die Konkurrenz mit Schweden, Australien, Norwegen, Russland, Aserbaidschan und der Ukraine ist gross.