Am 24. November 2019 fand der 17. Junior Eurovision Song Contest in der polnischen Stadt Gliwice statt. Über das Ergebnis haben wir bereits hier ausführlich berichtet. In diesem Bericht geht es um die Erfahrung vor Ort und dass sich eine Reise zum JESC auch für Erwachsene durchaus lohnt. Denn der Wettbewerb hat einiges zu bieten.

Während es in der Eurovision Community tausende Journalisten und Fans gibt die den Eurovision Song Contest um jeden Preis live erleben möchten und jetzt schon darum bangen Karten für Rotterdam zu bekommen, hält sich das Interesse den Junior Eurovision Song Contest zu besuchen relativ in Grenzen. Als ich dieses Jahr zum JESC nach Polen fahren wollte wurde auch ich von vielen Kollegen und Freunden gefragt, ob sich denn die Reise lohnt. Schließlich glauben viele Menschen die sich noch nicht mit dem Wettbewerb beschäftigt haben, dass es sich um eine „Kinderveranstaltung“ handelt und wundern sich, was Erwachsene dort zu suchen haben. Als jemand der seit Jahren regelmäßig zum ESC fährt kann ich sagen, dass der JESC mittlerweile auch ein hochqualitatives Unterhaltungsformat geworden ist, dass vor allem in anderen europäischen Ländern Millionen von TV-Zuschauern vor den Fernseher lockt. Und auch vor Ort ist der JESC immer mehr mit dem ESC vergleichbar. Denn rund um die Show herum gibt es auch jede Menge Ereignisse, die das Herz von Eurovision Fans höher schlagen lassen.

So fand der JESC in Polen in der Gliwice Arena mit einer Kapazität von über 17000 Zuschauern statt. Somit war die Halle um einiges größer, als zum Beispiel das Convention Center in Tel Aviv, das International Exhibition Center in Kiew oder auch die Wiener Stadthalle. Dennoch war sie beim Finale bis auf dem letzten Platz ausverkauft.

Auch ließ der ausrichtende TV Sender TVP nicht an der Bühne sparen. Diese wurde von Giorgos Stylianou-Matsis gestaltet, einem in Polen sehr bekannten Designer und hätte ohne weiteres auch eine ESC-Bühne sein können. Mit hochmoderner LED Technik wurden während den Performances tolle Bühnenbilder projiziert.

Auch handelt es sich bei den Songs keineswegs nur um „Kinderlieder“. Es gibt sehr viele Komponisten, die auch regelmäßig beim ESC dabei sind. So stammte z.B. der Beitrag „Fire“ von Nordmazedonien aus der Feder von Lazar Cvetkovski genauso wie der letztjährige ESC-Beitrag „Proud“ von Tamara Todeska. Auch die Beiträge z.B. von Spanien, Serbien und Neuling Kazakhstan waren musikalisch hochqualitativ und hätten auch beim ESC von Erwachsenen gesungen werden können.

Doch auch „Hinter den Kulissen“ erinnert vieles an den ESC. So gibt es auch ein Pressezentrum, von dem aus von den akkreditierten Journalisten die Proben angeschaut werden können und in dem die Pressekonferenzen stattfinden.

Bei der Welcome Reception werden alle Teilnehmer genauso wie beim ESC „Red Carpet Event“ vorgestellt.

Am Vorabend des Finales veranstaltete der Fanclub OGAE Polen in Gliwice eine große Preparty. Zu der Party kamen spontan auch Tulia, die polnischen ESC-Teilnehmer 2019. Bis in den Morgenstunden wurde zu ESC-Musik getanzt.

Polen präsentierte sich als hervorragender Gastgeber und im ganzen Land war die Euphorie grenzenlos. Man hörte die Songs im Radio, in den Einkaufszentren und im Hotel. Und vor allem nachdem Viki Gabor mit Superheros den Titel verteidigte und Polen das zweite Mal hintereinander gewann, war der JESC überall Gesprächsthema Nummer 1.

Nach dem Sieg bekräftigte der Präsident von TVP die Ambitionen des polnischen Senders, dass der JESC auch im nächsten Jahr in Polen stattfindet. Das wäre toll und ich kann jedem ESC Fan nur empfehlen mal auch einen JESC vor Ort zu besuchen. Und falls mal endlich Deutschland, Österreich und Schweiz sich dazu durchringen sollten teilzunehmen, umso besser. Höchste Zeit wäre es.