© Grzegorz Gołębiowski (Polen)
© Margarita Cernei (Moldau)
© Lukas Maeder (Schweiz)
© Anton Sucksdorff (Finnland)

Auf dem Weg nach Tel Aviv mit …

Heute werfen wir den Blick auf die nächsten vier Länder unserer Reihe „Auf dem Weg nach Tel Aviv„. Das sind Finnland, Moldau, Polen und die Schweiz. Das Eurovision Austria Team hat das jeweilige Song mit einer Note zwischen 1 und 10 bewertet (1 ist Flop, 10 ist Top) und kommentiert. Nun legen wir los!

Finnland: Darude feat. Sebastian Rejman – Look Away

Markus (5 Punkte)
Finnland schickt einen Künstler der mit Sandstorm im Jahr 2000 über 5 Millionen Singles verkaufte. Knapp 20 Jahre später nimmt er sich Sebastian Rejman als Partner und fährt zum Song Contest . Finale könnte klappen mehr leider nicht. Stimmige Umsetzung und tolle Backdrops während der Vorentscheidung aber nicht unbedingt mein Ding.

Daniel (2 Punkte)
Look away – „Schau weg“, heißt der Beitrag. Der Zuschauer könnte den Titel wortwörtlich nehmen. Die gesanglich starken Gruppen aus Montenegro (Startnummer 2) und Polen (Startnummer 4) klauen dem finnischen Beitrag viel Aufmerksamkeit. Sebastian Rejman singt tapfer, bleibt nur etwas zu brav im Hintergrund. Dass mit Darude ein Top-DJ als Songwriter verpflichtet wurde, ändert daran nichts.

Tjabe (3 Punkte)
Trotz Modernität irgendwie langweilig. Da muss wieder die Show alles bringen und das könnte dann wieder too much sein: Die Chorsänger vollführen ein Wasserballett und beim Auftauchen stimmen sie in den Gesang mit ein. Schade für Finnland trotz klangvollem Namen.

Salman (3 Punkte)
Der Song erinnert sehr an den polnischen Beitrag vom letzten Jahr. Wobei ich Gromee feat. Lukas Meijer sogar stärker fand. Und diese sind bekanntlich im Halbfinale ausgeschieden. Einen DJ auf der Bühne zu haben brachte bisher beim ESC noch nie so richtig Erfolg. Irgendwie nimmt mich der Song insgesamt nicht mit.

Marc (5 Punkte)
Sandstorm war damals ein richtiges Brett. Leider kann Darudes ESC-Beitrag da nicht ansatzweise mithalten. Zum Wegschauen ist Look away aber keineswegs. Das ist ordentliche Standard-EDM, die mit Sicherheit den Euroclub bereichert.

Manfred (3 Punkte)
Leider ein Song, der bei mir nichts auslöst, aber ich respektiere die Botschaft des Songs. Gut inszenierter Auftritt bei der Vorausscheidung, wenn sie es genauso in Tel Aviv bringen, ist es sicher ein Hingucker.

Sascha (3 Punkte)
Und immer wieder höre ich beim finnischen Beitrag den Song Keep Me Hanging On von Kim Wilde, mit dem Unterschied, dass mir Song von Kim um einiges besser gefällt. Look Away ist schlicht und einfach eine Dancenummer mit etwas verhaltenem Gesang von Sebastian Rejman. Schon tausende Male gehört.

Moldau: Anna Odobescu – Stay

Markus (6 Punkte)
Anna hat eine klare und toll ausgebildete Stimme die mich anspricht. Stay …. find the way … together …. forever …. leider viel zu oft schon gehört und nach 10 Minuten vergessen. Ich warte mal die Liveumsetzung ab. Hier und heute 6 Punkte.

Daniel (3 Punkte)
Moldau hatte in den letzten beiden Jahren mit dem „Lustspiel-Ensemble“ DoReDos und der „Hochzeitsgesellschaft“ SunStroke Project richtig gute einprägsame Performances am Start. Stay wird es im an und für sich schon starken zweiten Semi schwer haben aufzufallen. Dem Beitrag fehlt es an Profil und er kommt wie eine Mischung aus mittelmäßig erfolgreichen Song-Contest-Beiträgen der 2000er daher. Ganz anders sähe es aus, wenn Moldau in Tel Aviv mit einer völlig anderen überraschenden Bühnenshow aufwarten würde.

Tjabe (4 Punkte)
Die letzten zwei Jahre begeisterte das Land mit flotten und gut inszenierten Beiträgen. Dieses Jahr kommt man sehr altbacken daher. Ich denke die moldawische Ballade wird im balladenreichen zweiten Halbfinale untergehen.

Salman (5 Punkte)
Eine klassische ESC Ballade. Tausend mal schon gehört und nichts neues. Anna hat aber in Amsterdam gezeigt, dass sie gut live singen kann. Mit einem guten Staging und Punkte aus den osteuropäischen Nachbarländern könnte es fürs Finale reichen.

Marc (4 Punkte)
Sehr klassische und pathetische ESC-Ballade. Bei mehrmaligem Hören entfaltet der Refrain durchaus Ohrwurmqualitäten. Ein Englisch-Sprachkurs wäre jedoch gut investiertes Geld.

Manfred (4 Punkte)
Durchschnittsballade 100 x schon gehört. Aber Anna ist für mich höchst faszinierend, weil sie, ganz besonders bei ihrem Vorausscheidungsauftritt, der unvergesslichen Romy Schneider der 70er Jahre extrem ähnlich sieht.

Sascha (3 Punkte)
Was für ein Drama im Video, mit dem Konzept einer spanischen oder türkischen Seifenopern, um den halbwegs passablen aber doch einen relativ langweiligen Song. Je mehr ich den anhöre umso mehr geäfellt er mir nicht. Daher höre ich auf den zu hören, sonst muss ich noch die Note nach unten korrigieren.

Polen: Tulia – Fire of Love (Pali się)

Markus (2 Punkte)
4 Damen die alle in der gleichen Tonart ohne Gegengesang singen hört sich für mich zu aggressiv an. Kann damit wirklich überhaupt nichts anfangen.

Daniel (7 Punkte)
Tulia sind hundertprozentig im Finale! Die vier jungen Mädchen aus Stettin fallen einfach auf. Zum einen zeigen sie, dass folkloristischer Chorgesang und Rockmusik kein Widerspruch sein muss. Zum anderen klingen ihre Stimmen gar nicht so kreischend, wenn sie live singen. Sie sehen auf der Bühne herzlich aus. Auf die englischen Textzeilen hätte man aber verzichten können, da man ihre Freude für die Musik auch versteht, wenn sie auf Polnisch singen.

Tjabe (6 Punkte)
Mit Tulia wagt sich Polen wieder was und versucht mit Tradition Europa zu überzeugen. Auch wenn der Song nicht ganz so eingängig ist, könnten die traditionellen Rhythmen den Zuhörer überzeugen.

Salman (6 Punkte)
Nach langer Zeit mal wieder etwas Traditionelles aus Polen. Ich finde das bereichert den Contest, auch wenn der Song nach mehrmaligem Hören recht nervig ist. Bei den TV Zuschauern werden aber die „jüngeren Schwestern der russischen Babuschkas“ mit Sicherheit auch Liebhaber finden.

Marc (5 Punkte)
Polens Beitrag 2019 ist für mich eine Wundertüte. Ich war überrascht, dass die Band u.a. Depeche Mode covert. Stilistisch finde ich es spannend (moderne Folklore mit Rock-Elementen). Allerdings empfinde ich die Stimmen gewöhnungsbedürftig bis anstrengend.

Manfred (9 Punkte)
Ein Beitrag den man liebt oder hasst. Ich liebe ihn, weil Outstandig ist, und eben funktioniert in meinem Augen und Ohren. Den meiner Meinung nach kann Ungewöhnliches leicht nach hinten los gehen. Ich mag ihre interessanten Stimmen. Ob ich sie jedoch ein ganzes Konzert ertragen könnte …

Sascha (8 Punkte)
Ein großartiger Song aus Polen und endlich mal was anderes beim diesjährigen ESC! Tulia, eine fast unscheinbare Mädchenclique, kommen mit einem gekonnt vermischten Folklore/Gitarrenriff Song nach Tel Aviv. Ich finde es klasse! Der Song muss einfach im Finale dabei sein und dort in die Top 10 Landen. Ehrlich! Ganz am Rande, von der Atmosphäre her erinnert mich dieser Beitrag an Polens ESC-Anfänge. Bravo Polen!

Schweiz: Luca Hänni – She Got Me

Markus (10 Punkte)
Das ist ein Beitrag ,den ich aus der Schweiz nun wirklich nach all den Jahren zuvor nicht erwartet habe. Irgendwie hatte ich auch eine Abwehrhaltung um nicht wieder enttäuscht zu werden. Aber was uns da aus Zürich präsentiert wird haut mich so was von um. Luca ist erwachsener und reifer geworden und hat eine super Bühnenpräsenz. Ich bin total begeistert und mich würde mich nicht wundern wenn es eine neue Song Contest Zeitrechnung nach Celine Dion für die Schweiz geben würde.

Daniel (8 Punkte)
Luca Hänni hat von den deutschen Fernsehzuschauern zwölf Punkte so gut wie sicher. Halbnackt tanzte er 2018 mit Helene Fischer in der nach ihr benannten Show vor fast sechs Millionen Zuschauern. 2012 gewann er „Deutschland sucht den Superstar“. Der schmissige Latino-Popsong weckt außerdem des Deutschen Sehnsucht nach Strandurlaub auf Mallorca und Gran Canaria. Stellenweise denke ich, Justin Bieber würde versuchen, Fuego zu singen. Nicht schlimm. Die Schweiz ist schafft es ins Finale und kann zumindest vorsorglich schon mal eine Halle in Zürich fürs nächstes Jahr reservieren. Man weiß ja nie.

Tjabe (10 Punkte)
Ein toller Song, der gute Laune verbreitet. Aber schon 2008 hatte die Schweiz mit Era stupendo von Paolo Meneguzzi ein geniales Lied im Rennen, das dann live viel verloren hat und im Halbfinale stecken blieb. Also Luca Hänni muss schon ein stimmiges Gesamtwerk abliefern, um einen sicheren Einzug ins Finale zu gewährleisten. Er könnte sonst schnell zum Fan-Fail werden.

Salman (8 Punkte)
Endlich mal wieder ein Beitrag aus der Schweiz der das Zeug hat vorne mitzuspielen. Luca Hänni ist sympathisch und kann singen und tanzen. Der Song hat zwar null Bezug zur Schweiz, aber sorgt für gute Laune. In den Wettquoten ist die Schweiz ja sogar auf Platz 3. Nach den Ergebnissen der letzten 15 Jahre wäre aber sogar ein Platz unter den Top 10 ein Riesenerfolg für die Eidgenossen.

Marc (10 Punkte)
Wow! Da hat die Schweiz einen echten Knaller im Rennen. She got me ist extrem eingängiger Latino-Pop mit orientalischen Klängen. Luca hat bei „Dance Dance Dance“ bereits bewiesen, dass er super tanzen kann. Jetzt hoffe ich auf eine Hammer-Dance-Choreografie in Tel Aviv. P.S. Schade, dass man den Song nicht „Dirty Dancing“ genannt hat.

Manfred (6 Punkte)
Natürlich alles gut bei diesem Beitrag, ich finde ihn aber relativ überschätzt weil ich das Gefühl habe, dieser Art von Song schon x mal jeden Sommer gehört zu haben. Luca ist höchst talentiert. Ich erinnere mich an einen tollen Auftritt mit Helene Fischer. Außerdem würde ich mich für die Schweiz freuen, wenn sie endlich wieder ein gutes Ergebnis erreichen.

Sascha (8 Punkte)
Der zypriotische Beitrag vom Vorjahr, Fuego, hat offenbar einen Trend ausgelöst – einige Songs des diesjährigen ESC wurden im Latinostyle komponiert. So auch der Beitrag aus der Schweiz. Natürlich wurde auch hier die Fuego-Choreographin Sacha Jean-Baptiste beauftragt, eine weitere Fuego-Inszenierung auf die Beine zu stellen. Das tat sie auch: den 1 zu 1 Eleni-Foureira-Hüftschwung von Luca Hänni haben wir bereits beim Eurovision in Concert in Amsterdam gesehen. Ja, es ist eine weitere Wiederholung dessen, was wir eh schon gesehen haben, aber ich freue mich für die Schweiz, endlich wieder im Gespräch zu sein. Gerade fällt mir ein: Niemand hat das Hühnchen nachgemacht.

Zwischenstand

Links:
Auf dem Weg nach Tel Aviv (Teil 1)

Wie ist eure Meinung dazu liebe Leser? Gerne möchten wir auch eure Kommentare und Bewertung für diese Songs lesen und sie dann in das Gesamtergebnis miteinbeziehen. Die Note 1 ist Flop, die Note 10 ist Top! Macht einfach mit!

2 KOMMENTARE

  1. Finnland: 2 Punkte – Refrain sehr eintönig und sonst ist der Song nicht mein Ding
    Moldau: 5 Punkte – typische ESC-Ballade, ist nicht schlecht
    Polen: 8 Punkte – Stimmen waren am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber das Lied gefällt mir sehr gut
    Schweiz: 9 Punkte – echt cooler Song aus meiner Sicht

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