© Alexandr Porubaymykh (Aserbaidschan)
© BBC/Joe Giacomet (Großbritannien)
© Cem Talu (San Marino)
© Cedomir Popovski (Nordmazedonien)
© José Irún (Spanien)

Auf dem Weg nach Tel Aviv mit …

Nun sind wir am Ende unserer Reihe „Auf dem Weg nach Tel Aviv“ angekommen. Heute schauen wir uns die letzten vier Länder an: San Marino, Nordmazedonien, Großbritannien, Aserbaidschan und Spanien.

Nocheinaml hat das Eurovision Austria Team den jeweiligen Song mit einer Note zwischen 1 und 10 bewertet (1 ist Flop, 10 ist Top) und kommentiert. Dann legen wir los.

San Marino: Serhat – Say Na Na Na

Markus (5 Punkte)
Serhat is back. Man kann zu ihn stehen wie man will, aber er weiß was Entertainment bedeutet auch wenn es einfach nur Sprechgesang ist. Das Video finde ich großartig, bleibt abzuwarten ob er die Stimmung mit 6 Personen live auf die Bühne transportieren kann. Finale wäre ein Erfolg für den Kleinstaat. Was San Marino braucht ist Glück (wie jedes Jahr).

Daniel (3 Punkte)
Serhat ist wieder da und beschließt das erste Semi. Und Say Na na na finde ich besser als I didn’t know, weil es unterhaltsamer ist. Aber was hat Serhat eigentlich mit San Marino zu tun? Egal. Wäre Serhat im zweiten Semi gestartet, sähe ich schwarz. Es kann aber sogar sein, dass er mit Ach und Krach weiterkommt.

Tjabe (4 Punkte)
Mit Happy Sound versteht es Serhat am besten Europa zu gewinnen, denn 2016 hatte er sein Lied auch auf eine schnellere Tonspur gesetzt und wurde im Halbfinale Zwölfter, obwohl er ein aussichtsreicher Kandidat damals für den letzten Platz war. Er könnte beschwingt für eine Überraschung im ersten Halbfinale sorgen.

Salman (7 Punkte)
Serhat is back! Und das Lied ist gar nicht mal so schlecht. Es ist mein „Guilty Pleasure“ von diesem Jahrgang, weil der Song einfach gute Laune verbreitet. Es könnte in diesem Jahr was werden mit dem zweiten Finaleinzug für San Marino.

Marc (3 Punkte)
Als ESC Wiederholungstäter bekommt Serhat viel Aufmerksamkeit und Sympathien. Auch der Startplatz könnte nicht besser sein. Aber reicht das tatsächlich für eine Finalteilnahme? Die Chancen stehen zumindest besser als beim letzten Mal. Say Na Na Na ist ein liebenswerter ESC Trash-Beitrag, der zum Mitwippen animiert. Der Songtext ist allerdings sehr billig geraten (Be a rainbow, be a hero …)

Manfred (8 Punkte)
Serhats Beitrag ist für mich eine nostalgische Reise in die Epoche der Disco-Musik. Dass jüngere Zuschauer nicht für ihn anrufen werden ist klar. Aber vielleicht deswegen werde ich seinen Auftritt umso mehr genießen, denn nach jedem hören seines Beitrags fühle ich mich besser und beschwingt. Ralph Siegel lässt grüßen.

Sascha (4 Punkte)
Der Song, mit dem Serhat erneut für San Marino an den Start geht finde ich gar nicht mal so schlecht, ein Dicosound, den die Fans bestimmt mögen. Was mich dabei allerdings stört ist seine englische Aussprache. Ein Paar Unterrichtsstunden in englisch wären sich nicht verkehrt gewesen.

Nordmazedonien: Tamara Todevska – Proud

Markus (7 Punkte)
Menschen wie Tamara die eine solch gute Stimmausbildung besitzen sprechen mich musikalisch immer an. Einwandfrei gesungen. Das ist die Art von Songs die es seit je her beim Contest gibt. Ich wünsche ihr, dass Europa ein Ohr für sie hat und die Qualität ihrer Stimme erkennt.

Daniel (9 Punkte)
Tamara ist eine Power-Frau mit einer grandiosen Stimme. Proud ist eine Ballade, die traditionelle Balkanmusik würdigt und trotzdem sehr modern wirkt. Ich hoffe so sehr, dass das auf der großen Bühne genauso kraftvoll rüberkommt wie im Musikvideo.

Tjabe (8 Punkte)
Eigentlich kann Nordmazedonien stolz auf seinen diesjährigen Beitrag sein. Eine Hammerstimme bringt Tamara mit. In diesem Jahr gönne ich es dem Land weiter zu kommen, aber leider gibt es zu viele dramatische Balladen im zweiten Halbfinale. Wenn Frau Todevska im direkten Vergleich auch noch Sergey Lazarev auf die Plätze verweisen könnte, wäre das echt Balsam für die geschundene Eurovisionsseele des kleinen Landes.

Salman (5 Punkte)
Stimmlich bestimmt kein schlechter Song. Trotzdem gefällt er mir irgendwie nicht so richtig. Die Botschaft ist mir zu ernst. ESC sollte Spaß machen und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger „Show them!“, „Tell them!“ sein.

Marc (4 Punkte)
Tamara ist bereits zum 4. Mal auf einer ESC Bühne. Ihr Song greift das beliebte Feminismus-Thema auf. Proud ist eine nette und gefällige Powerballade, von der allerdings wenig hängen bleibt. Für mich ist Nordmazedonien ein Wackelkandidat für das Finale.

Manfred (9 Punkte)
Ein wunderbarer Beitrag. Eine Art von Ballade, die ich ganz besonders liebe. Langsam beginnend, emotional steigernd, dazu eine grandiose Stimme. Für mich die Zutaten für einen Höhepunkt der Eurovision. Aber ich sehe auch ein, dass Tamara Todevska es schwer haben wird, ins Finale zu kommen.

Sascha (6 Punkte)
Von allen Balkansongs ist mir dieser der Angenehmste. Eine schöne Ballade, die uns Tamara nach Tel Aviv bringt. Das Finale sollte schon drin sein, dort dann eine Platzierung unter die Top 15 wünschenswert.

Großbritannien: Michael Rice – Bigger Than Us

Markus (6 Punkte)
Im Vereinigten Königreich gibt es so viele talentierte Komponisten und Textdichter aber man hat über Jahre den Contest ins lächerliche gezogen und somit hat die Branche nach wie vor kein Interesse auf der Insel. Michael gehört zu den Talenten die einen guten Job machen aber mehr eben meiner Meinung auch nicht. Wenn es wieder nicht klappt haben die Briten durch den Brexit eine neue Ausrede.

Daniel (2 Punkte)
Michael Rice hat wirklich besseres Songmaterial verdient. Bigger Than Us kommt nicht mal ansatzweise auf das Niveau von britischer Durchschnittsware, die wir tagtäglich im Radio hören. Vielleicht schafft er ja doch noch einen Überraschungserfolg und landet nicht im letzten Drittel des Scoreboards.

Tjabe (5 Punkte)
Leider gibt es noch keinen Brexit von den Eurovisionsvorstellungen im Mutterland der Popmusik, das in diesem Jahr wie schon so oft im Uroma Stil daherkommt. Trotz starker Stimme und schwedischer Komposition wirkt das Lied sehr altbacken und dürfte für eine weitere schwache Platzierung der Insel sorgen. Aber die Big 5 bauen mit Ausnahme von Italien wieder auf die Sicherheit den Contest nicht gewinnen zu müssen und die Diskussion über die Rolle der Big 5 am Leben zu erhalten. In dem sie mal wieder ganz hinten landen.

Salman (6 Punkte)
Das schwächere Lied von John Lundvik wurde an UK abgegeben und ist dennoch einer der besseren Beiträge vom Vereinigten Königreich in den letzten Jahren. Michael Rice hat gewisse Ähnlichkeit mit Kerstin Ott und fuchtelt recht viel mit seinen Händen. Ob das in Europa ankommt, vor allem wenn der Song in der Umgebung von Schweden in der Startreihenfolge ist, wird man sehen.

Marc (5 Punkte)
Bigger Than Us ist eine richtig gute Komposition und John Lundviks zweiter ESC Beitrag 2019 in Tel Aviv. Meine Vermutung: hatte John Lundvik diesen Song beim Mello performt, wäre es um Klassen besser geworden, als das was uns UK jetzt auftischt. Michael Rice gibt sich wirklich Mühe, aber das wirkt sehr improvisiert und nicht ausgereift.

Manfred (4 Punkte)
Netter Song mehr aber auch nicht. Michael Rice wirkt eher wie ein DSDS-Kandidat als ein zukünftiger ESC-Gewinner. Wird wohl nicht die Klasse haben, dass Königreich aus ihrer langjähriger Erfolgslosigkeit beim ESC herauszuholen. Wäre Großbritannien nicht schon im Finale, würde er es wohl kaum schaffen.

Sascha (7 Punkte)
Ich mag den Song aus Großbritannien. Einer der besten, den die Briten zum ESC schicken. Der einzige Manko, aber ganz kleiner, Michael Rice soll den Song körperlich nicht hystrerisch präsentieren. Viel zu viel Körpereinsatz ist dabei.

Aserbaidschan: Chingiz – Truth

Markus (6 Punkte)
Na, sich halb nackt in den sozialen Medien zu zeigen sorgt bei den Fans sicher für Aufmerksamkeit. Aber was will er damit bezwecken? Der Beitrag aus Baku ist fantastisch produziert. Das Arrangement spricht mich auch total an. Da kommt es jetzt wirklich auf die live Performance an. Linke Seite der Punktetabelle wäre ok.

Daniel (8 Punkte)
Borislav Milanov hat Chingiz einen wetterfesten Popsong zur Seite gestellt. Truth zeigt, dass Indiepop in der Breite angekommen ist. Aber auch produktionstechnisch haut der Sound einfach um. Auch wenn wir noch nicht wissen, wie gut Chingiz wirklich die relativ schwierigen Stellen im Refrain meistern wird, setzt Truth zumindest musikalische Maßstäbe.

Tjabe (7 Punkte)
Erschreckend leicht präsentiert sich das Land, das letztes Jahr im Halbfinale stecken blieb. Ist das Depot an starken schwedischen Liedern abgeschöpft und nun wird der Rest angeboten? Chingiz könnte davon profitieren, dass es im zweiten Halbfinale nicht so viele schwungvolle Lieder gibt. Und vor vierzig Jahren überzeugte ja schon mal ein Dschinghis das Auditorium in Israel.

Salman (7 Punkte)
Für azerische Verhältnisse ein recht moderner Sound. Das Land will es wohl nach dem Ausscheiden im letzten Jahr wissen. Chingiz hat Ausstrahlung und kommt im Video sehr sympathisch rüber. Bin sehr gespannt, wie die Bühnenperformance ausschauen wird.

Marc (7 Punkte)
Tolle Startnummer, attraktiver Sänger und dazu ein moderner radiotauglicher Song aus der Feder von Mastermind Boris Milanov (Symphonix). Spricht alles für eine Top 10 Platzierung in Tel Aviv. Aber: der Song ist so „glatt“ produziert, dass er beim Hören zwar gefällt, danach aber schnell verpufft.

Manfred (9 Punkte)
Der absolute Hammer vom ersten Mal hören an! Vom Beginn an hat Truth einen megacoolen Rhythmus, der doch jeden sofort zum tanzen animieren müsste. Was kein Wunder ist, denn das bulgarische Autorenteam hat uns schon einige Songkracher geschenkt. Der Song wäre für mich ein würdiger Gewinner, denn Chingiz besitzt Starqualitäten.

Sascha (10 Punkte)
Meine einzige 10 Punkte heuer! Ich liebe den Song von Chingiz und wünsche mir im Finale eine Top 5 wenn nicht eine Top 3 Platzierung. Toll produziert und toll gesungen. Bravo! Das ist der einzige Song dieser ESC-Saison, den ich mir andauernd anhören kann.

Spanien: Miki – La Venda

Markus (5 Punkte)
Ich finde den Beitrag sehr sympathisch und im Durchschnitt auch besser als die Jahre zuvor. Ganz schwer für mich einzuschätzen was da aus Spanien kommt. Es macht Spaß dem Song zuzuhören und er wird auch gut interpretiert. Für mich die höchsten Punkte die ich Spanien seit Jahren gebe :).

Daniel (8 Punkte)
Ich tippe, dass Spanien eine bessere Position beim Song Contest einfahren wird als 2012 mit Pastora Soler (10. Platz). Unter der Voraussetzung, dass Christer Björkman nicht auf die Idee kommen sollte, ihn auf Startposition 1 zu platzieren. La Venda ist ein temporeiches Lied, das Freude ausstrahlt und spanisches Feuer entfacht. Man überhört, dass La Venda ein konsumkritisches Lied ist.

Tjabe (4 Punkte)
Beim spanischen Duracellhäschen kann ich die Hysterie nicht nachvollziehen, warum es so gut ankommt. Ich finde das Lied sehr anstrengend und schon nach dem ersten Refrain zu lang. Vielleicht muss ich mir den Song noch schön trinken. Ich glaube die Auswahl per Casting Show war in Spanien vergeudete Zeit.

Salman (7 Punkte)
Miki macht vom ersten Ton an Partystimmung. Auch wenn man nicht möchte, reißt es einen irgendwie mit. Am Anfang hat mir der Song gar nicht gefallen. Mittlerweile glaube ich ist für Spanien die linke Tabellenhälfte drin, falls der Song in der Halle zündet.

Marc (7 Punkte)
Miki hat mit La Venda eine Überdosis Sommer, Sonne und gute Laune Im Gepäck. Der Song ist zwar einfach gestrickt, aber verfehlt seine Wirkung nicht: die Halle in Tel Aviv wird Kopf stehen. Einen Pluspunkt gibt’s für die Landessprache. Der Revamp war leider unnötig und nimmt dem Song etwas Schwung.

Manfred (4 Punkte)
Lustigerweise gilt für mich für Spanien dasselbe wie für Großbritannien; zum x-ten Male abgedroschener spanischer Rhythmus, allerdings von Miki sehr lebensfroh und charmant da gebracht. Ich wünsche mir aus Spanien so sehr wieder stimmgewaltige Balladen, denn dieser Song ist für mich zu sehr Durchschnitt.

Sascha (3 Punkte)
So mir der britische Beitrag körperlich hysterisch vorkommt, ist mir der spanische Song musikalisch. Eigentlich zu schnell. Ich sehe Spanien auch heuer leider sehr unten in der Tabelle platziert.

Das Endergebnis

# ESC 2019 Markus Daniel Tjabe Salman Marc Manfred Sascha Total
1 Schweiz 10 8 10 8 10 6 8 60
2 Italien 10 10 10 5 10 5 8 58
3 Niederlande 10 9 10 8 9 5 7 58
4 Schweden 8 7 7 10 10 7 7 56
5 Aserbaidschan 6 8 7 7 7 9 10 54
6 Tschechien 6 9 7 9 6 7 7 51
7 Griechenland 9 9 5 5 7 7 7 49
8 Russland 5 6 9 8 8 7 6 49
9 Nordmazedonien 7 9 8 5 4 9 6 48
10 Dänemark 9 7 7 6 7 8 3 47
11 Israel 10 6 5 6 5 10 4 46
12 Norwegen 7 5 6 8 8 7 5 46
13 Frankreich 8 7 2 8 7 5 7 44
14 Polen 2 7 6 6 5 9 8 43
15 Armenien 7 6 6 3 6 8 7 43
16 Slowenien 8 8 6 1 5 7 7 42
17 Irland 8 3 6 6 5 8 6 42
18 Zypern 4 7 7 7 7 5 5 42
19 Serbien 7 4 7 7 3 6 5 39
20 Malta 5 5 6 7 7 2 7 39
21 Ungarn 7 5 6 5 4 5 7 39
22 Albanien 6 7 5 7 3 7 3 38
23 Spanien 5 8 4 7 7 4 3 38
24 Österreich 9 5 6 4 6 4 3 37
25 Belgien 1 4 8 7 6 4 6 36
26 Estland 4 6 5 7 6 3 5 36
27 Lettland 7 10 5 3 3 3 4 35
28 Island 6 9 1 5 6 6 2 35
29 Kroatien 6 7 6 3 5 5 3 35
30 Großbritannien 6 2 5 6 5 4 7 35
31 Litauen 3 4 5 3 4 8 7 34
31 San Marino 5 3 4 7 3 8 4 34
33 Rumänien 4 4 5 6 4 2 5 30
34 Australien 4 1 4 8 7 2 3 29
35 Portugal 4 2 7 7 3 3 3 29
36 Moldau 6 3 4 5 4 4 3 29
37 Weißrussland 2 1 3 7 4 2 5 24
38 Montenegro 3 5 4 5 2 4 1 24
39 Finnland 5 2 3 3 5 3 3 24
40 Deutschland 2 2 3 5 5 4 1 22
41 Georgien 2 2 2 2 2 4 2 16

 

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