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Die Eurovisionsreise in Israel ging fröhlich und heiter weiter

Puh! Sie konnten es doch noch. Im zweiten Halbfinale bot nun der Eurovision Song Contest endlich die gewünschten guten Stimmen auf und versöhnte für die erste Show vom Dienstag. Die Favoriten schafften den Einzug ins Finale, wo sie ein gutes Wörtchen mitreden werden.

Mit einem Blick auf den Dienstag, zum Glück ohne Ton, startete das zweite Halbfinale des 64. Eurovision Song Contest. Ohne großen Showact betraten die vier Moderatoren das Podium. Die beiden Damen Bar Refaeli und Lucy Ayoub bezauberten in ihren Moderationsparts, während Assi Azars teilweise sehr persönlichen Präsentationen ihre Intensität durch die sprachlichen Barrieren verloren. Erez Tal kam in der zweiten Sendung eher weniger zum Einsatz, aber das störte keinen.

Und schon ging es mit Armenien los. Als erste Teilnehmerin nominiert eröffnete Srbuk das zweite Halbfinale. Eine eher düstere Vorstellung, die die Sängerin allein bewältigen mußte. Vielleicht hätte es dem Auftritt gut getan, ein paar Tänzer aus dem offiziellen Video mit auf die Bühne zu nehmen. So gab es auch 2019 keinen sicher geglaubten Finaleinzug. Zum zweiten Mal ein vorzeitiges Walking out aus dem Eurovisionszirkus. Im ersten Semi wäre sie sicher weitergekommen.

Als ob am sie direkt aus dem Diner von nebenan geholt hätte, bot Sarah McTernan solide Hausmannskost. 22 von Niederländern produziert hinterliess eigentlich nur der bunte Hintergrund den größten Eindruck. Das half aber nichts, denn die Juroren waren explizit darauf hingewiesen worden, sich auf die musikalischen Leistungen zu konzentrieren, da die Produktion nicht alle Wünsche umsetzen konnte. Hat man diese Vorgabe beim ersten Halbfinale nicht gemacht?

Sand im Getriebe der Erfolgswelle der Moldawier. Nach einem hochzeitlichen dritten Platz und einer bunten Verwechslungskomödie benötigte man 2019 eine Sand- pardon eine Schneemalerin, um überhaupt beim Lied Stay die Zuschauer zu halten. Aber was 2011 zu gut bei der Ukraine funktioniert hatte, konnte den altbackenen Auftritt von Anna Odobescu nicht retten. Moldawien ist nicht im Finale.

Gespannt schaute man dann auf die Schweiz, ein Rekordhalter als Zuschauer im großen Finale der Eurovision. Selbst erfahrene Künstler wie Paolo Meneguzzi erlebten für die Eidgenossen ein Waterloo und jeder hoffte, dass es Luca Hänni nicht genauso gehen sollte. Aber Mr. Keep Smiling legte eine wahnsinnige Show hin, so dass er sich mit She Got Me zu einem Anwärter auf einen der vorderen Plätze entwickelt. Ein Viertel seiner Punkte verdankt er sicher seinem stets fröhlichen und freundlichen Lächeln. Der perfekte Schwiegersohn kann halt auch Dirty Dancing.

Danach wurde es dann ruhig. Kneipenstimmung mit dem lettischen Duo Carousel. Bei der Lautstärke kann man sich auch noch unterhalten, aber scheinbar haben viele das Zuhören vergessen und nicht für That Night angerufen, was sehr schade ist, da es wie Slowenien ein schöner Ruhemoment im Eurovisionszirkus gewesen wäre.

Auch die Glückssträhne der Rumänen ist gebrochen. Schon 2018 blieb das Land im Halbfinale überraschend hängen. Dieses Jahr konnte der sperrige Beitrag On A Sunday schon sehr früh nicht überzeugen. Zwar gab Ester Peony stimmlich alles, um in die Show, die am Sonntag endet, zu gelangen, jedoch hätte man sie nicht als Mrs. Danvers (Pia Douwes` Rolle in „Rebecca“) oder Frl. Rottenmeier aus „Heidi“ verkleiden sollen, denn das schreckte eher ab.

Kurze Pause. Zeit für Assi Azar die neue Conchita Wurst zu interviewen, die im Finale zusammen mit weiteren Eurovisionsidolen einen bunten Act darbieten wird. Frage am Tag danach: Wie sieht die/der denn jetzt aus?

Als Kontrast zu Rumänien trat dann die dänische Heidi alias Leonora auf, die mit ihren Freunden von der ewigen Liebe sang. Die ehemalige Eiskunstläuferin holte die Kuh vom Eis und zog herzerwärmend mit Love Is Forever ins Finale ein.

Ihr folgte der Nachbar aus Schweden. John Lundvik von Anfang an als sicherer Finalteilnehmer gehandelt, überzeugte mit seinen „Mamas“ und lässt Schweden auf eine sehr gute Platzierung hoffen. Der Song Too Late For Love besticht durch seine Natürlichkeit und kommt nicht so künstlich rüber wie die schwedischen Beiträge der Jahre zuvor.

Zeit für Österreich. In den letzten Jahren bewies der ORF ein glückliches Händchen bei der Auswahl seines Kandidaten. Mit PÆNDA wurde unser Land 2019 sehr sympathisch vertreten und die Kameraführung brachte den Act Limits visuell gut rüber. Aber dieses Jahr sollte das Glück nicht mit uns sein und der österreichische Umschlag blieb zu. An der Künstlerin hat es nicht gelegen, das Feld im zweiten Halbfinale war zu stark. Man kann gespannt sein, wo Österreich letztendlich landete, denn Platz 10 und 11 trennte allein 1 Punkt. Im ersten Halbfinale wäre sie weiter gekommen.

Ein ähnliches Schicksal musste Kroatien erleiden. Eine grandiose Stimme blieb im Halbfinale stecken. Doch bei Rokos The Dream war sicherlich mancher Zuschauer von der Inszenierung erschlagen. Da rauschten Rokokoengel durchs Bild und legten den Sänger goldene Flügel an. Produzent Jacques Houdek konnte 2017 sicherlich mit seiner Zwei-Stimmen Show begeistern, aber Roko hätte eine weniger kitschige Darbietung besser getan.

Noch anstrengender fürs Auge wurde es dann mit Michela Pace und ihrem Chameleon. Da wechselte sicherlich der Background häufiger die Farbe als das besungene vierbeinige Lebewesen bei Gefahr. Mit Malta kehrten dann auch Erinnerungen an Dienstag zurück, denn stimmlich geriet mancher Ton zum Misserfolg. Vielleicht reagierte Michela deshalb so hysterisch erleichtert, als sich der letzte Umschlag für die Insel öffnete.

Wohltuend dahingegen der Auftritt von Jurij Veklenko aus Litauen. Zwar war sein Run With The Lions kein flotter Lauf durch die Popmusik, sondern eher ein wir schleppen uns durch ein Lied, was drei Minuten dauert. aber stimmlich einwandfrei versuchte Jurij durch ausladene Armbewegungen die Zuschauer und die Juries zu erreichen. Am Ende gelang es ihm aber nicht mit seinem Killersmile das Ergebnis zu verbessern und er bleibt dem Finale fern.

Die seit Jahren immer mehr ausartenden Interviews im Greenroom sind der Werbung in einigen Ländern geschuldet, aber veranlasst auch zur Diskussion, ob es nicht den Interviewten einen Vorteil beim Voting bringt.

Der Schrei nach Erfolg kam dann aus Russland. Sergey Lazarev klonte sich bei seinem Auftritt und hofft nun im Finale auch die Punkte vermehren zu können. Der Wunsch nach dem Sieg mit Scream ist bei Russland am deutlichsten spürbar und ein zweiter Platz wäre schon ein Misserfolg. Aber vielleicht wird Sergey zum neuen Cliff Richard, der auch weltweite Erfolge feierte, aber dem der Sieg bei der Eurovision nicht vergönnt war.

Das zweite Halbfinale, insbesondere der zweite Part, wies einen Balladenreichtum auf und Albanien brachte die einzige in Landessprache. Die Töne, die von Jonida Maliqi dargeboten wurden, waren dann und wann auch eher gwöhnungsbedürftig, aber das wurde dem Ethnocharakter des Liedes zugerechnet. Ihre Finalteilnahme stand sicherlich nicht auf jedem Tippzettel, aber Ktheju Tokës ist sicherlich ein guter Vertreter für die englischsprachigen Beiträgen im Finale, denn es blieben mit Ungarn, Portugal und Polen ja einige auf der Strecke.

Nach so viel getragener Musik bot der norwegische Song Spirit In The Sky eine erfrischende Abwechslung. Präsentiert von drei Minderheiten (Schwuler, Frau und Same) stellte KEiiNO mit seinem Lied sicherlich kein innovatives Machwerk vor, aber es stach aus dem eher dramatischen Gesamtfeld heraus. Somit ein Platz im Finale.

Danach richteten sich alle Augen auf den Favoriten der Buchmacher. In den Niederlanden herrschte schon große Aufregung. Tagelang dominierte ein Leuchtmittel die Medien des Königreichs. Der „Ballengate“ war ausgebrochen und Ilse DeLange musste in einem 12-minütigen Interview die Umstände darlegen. Kurzum ein Ball bestimmte den Probenplan und liess Duncan Laurence Favoritenrolle bröckeln. Letztendlich sahen die rund 3 Mio Zuschauer in den Niederlanden, was einen Markanteil von über 50 Prozent ausmachte, eine in Belgien gefertigte Kugel von der Hallendecke schweben, die dann nach einigem Blickkontakt mit dem Sänger wieder hochgezogen wurde. Der Vortrag von Arcade kam sicherlich nicht so souverän rüber wie „Calm After The Storm“ 2014, aber der Einzug ins Finale gelang.

Im ersten Umschlag steckte zum Schluss verdient jedoch Nordmazedonien. Tamara Todevska zeigte ein souveräne Intrepretation ihres Proud und erlöste das Land von jahrelangem Warten auf das Finale. Eine fantastische Stimme mit einem passenden Lied reicht aus, um den Zuschauer und die Juries zu gewinnen.

Zum Abschluss durfte dann der muskelbepackte Chingiz ran, der in der Postkarte passend seine Dancing Israel Sequenz in einem Teich darbieten durfte, wodurch er jedem Wet T-Shirt- Contest sicherlich Konkurrenz gemacht hat. Futuristisch gestaltete sich dann der Bühnenauftritt für Truth, aber die moderne Technik sorgte dieses Mal für einen Finaleinzug, welches Aserbaidschan 2018 zum ersten Mal verwehrt blieb.

Bis zur Bekanntgabe der zehn Qualifikanten schuf das israelische Fernsehen ein beeindruckendes Programm. Zwar fragte man sich, wozu man unbedingt den Illusionisten Lior Suchard benötigte, der versuchte Jurij Veklenko, Sarah Mc Ternan, PÆNDA und Sergey Lazarev mit Zahlen zu beeinflussen. Zudem wurde Måns Zelmerlöw interviewt, der auch am Samstag mitwirkt und sich langsam zu einer männlichen Lys Assia entwickelt. Die war ja auch fast jedes Jahr vor Ort.

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Beeindruckend der Auftritt der Shalva Band, die aufgrund des Sabbats auf eine Teilnahme für Israel verzichtet hat. Sie hätten garantiert die Konkurrenz am Samstag in Grund und Boden gesungen.

Die Liebe zum Eurovision Song Contest zeigte Israel dann noch in zwei liebevoll arrangierten Filmen, einmal mit Beiträgen und einmal über die Wertungen, aus 63 Jahren des Wettbewerbs. Die Ideenvielfalt, die der Sender KAN an den Tag gelegt hat, schürt die Vorfreude für das Finale, wobei ich den Auftritt von Madonna unkommentiert lasse.

Freuen wir uns auf ein schönes Finale mit unter anderem den drei jungen Herren, und möge eine grandiose Stimme mit dem besten Lied gewinnen.

1 KOMMENTAR

  1. Wir sind auf Platz 17 gekommen.
    ich würde mir ja wieder einen Vorendscheit wünschen
    oder vielleicht das ganze Konzept ein bisschen überdenken.
    Paenda kann man keine Schuld geben.

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