Jamala, die Gewinnerin der ukrainischen Vorentscheidung, Foto: jamalamusic.com
Jamala, die Gewinnerin der ukrainischen Vorentscheidung, Foto: jamalamusic.com

Kiew, Ukraine – Jamala, die auch das erste Semifinale mit der Höchstpunktezahl von der Jury und dem Televoting gewonnen hat, lieferte eine tolle Performance und gewann das Finale in der Ukraine.

Sechs Kandidaten stellten sich gestern Abend in der Ukraine der Jury und dem Publikum gegenüber. 280.000 Zuschauer riefen auch an, was einen neuen Rekord in der ukrainischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest darstellt. Es wurde nur ein Anruf pro Anschluss gezählt.

Der Favorit der Jury waren The Hardkiss und der Favorit der Zuschauer Jamala. Am Ende hatten die Beide die gleiche Punktezahl. Gewonnen hat aber Jamala, weil sie mehr Punkte vom Publikum erhielt. Hier die Ergebnisse (Jury + Televoting):

  1. Jamala1944 – 11 (05+06)
  2. The HardkissHelpless – 11 (06+05)
  3. SunSayLove manifest – 08 (04+04)
  4. Pur:PurWe do change – 05 (02+03)
  5. NeAngelyHigher – 05 (03+02)
  6. Brunettes Shoot BlondesEvery Monday – 02 (01+01)

Die Show wurde von Dimitri Tankovich und Aleksander Pedan moderiert. Nicky Byrne war beim ukrainischen Finale auch vor Ort und performte seinen Song Sunlight. Er ist der irische Vertreter beim Eurovision Song Contest 2016.

Jamala (Susana Jamaladinova) wurde 1983 in der Kirgisischen SSR geboren. Ihre Musikkarriere startete im Jahr 2005. Jamala wurde durch die Teilnahme an The New Wave 2009 bekannt, einem internationalen Contest von jungen Pop-Singern in Jūrmala. Sie zeichnet sich durch die unterschiedlichen Genres von Jazz, Soul, Rhythm&Blues bis hin zu Pop aus. Im Jahr 2010 stand sie schon mal auf der ukrainischen Song Contest-Bühne bei der Vorentscheidung mit dem Song Smile.

Sie besingt in ihrem Song Contest-Beitrag 1944 die Vertreibung der Krimtataren im Jahr 1944. Das Lied besteht aus einer außergewöhnlichen Kombination aus einem Popsong und zornigen Lyrics. Der Song beginnt mit der Zeile: „Wenn Fremde kommen, dann kommen sie in dein Haus, sie werden dich töten und sagen: ‚Wir sind unschuldig.‘“ Mit diesem Lied will Jamala an das Schicksal ihrer Urgroßmutter erinnern. „Dieses schreckliche Jahr veränderte ihr ganzes Leben.“ Ganz ESC-Regelkonform ist das nicht, denn die politische Botschaften jeglicher Art sind beim ESC nicht erlaubt. Mal abwarten, was passiert.

Eine andere bizarre Situation geschah nach dem Auftritt der Band SunSay. In anschließendem Interview wurde der Band-Sänger mit der Frage konfrontiert, ob ihm bekannt sei, dass der Song Love manifest bereits 2013 veröffentlicht wurde und daher Aufgrund EBU-Regeln nicht am ESC teilnehmen kann? Sein Statement dazu war, dass es noch kein bekannter Hit ist und die Menschen es noch nicht kennen würden. Des Weiteren gab es auch eine politische Diskussion mit Ruslana und SunSay. Sie ging auf die Lage der Ukraine mit Russland ein und ob er nicht lieber Russland bei ESC vertreten würde. Sein Konter darauf was, dass ja Jamala auch über die Krim singen würde und dort herrsche ja auch keine normale Situation. Er sagte, dass er natürlich ukrainischer Staatsbürger ist, doch auch viele Freunde in Russland hab und Verständnis für die Taten in der Ukraine habe.

Wir sind gespannt, welche politischen Diskussionen noch losgetreten werden. Auch wenn der Ukraine-Konflikt nicht mehr tagesaktuell in den Medien erscheint ist das Leben dort noch immer harte Realität.

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