Was für ein Abend, gestern Abend! – und das ist kaum positiv gemeint! Aber der Reihe nach.

Mein Kollege Manfred und ich haben gemeinsam entschieden, gestern Abend die kroatische Vorausscheidung „Dora“ im TV anzuschauen. Wir dachten, schlimmer als im letzten Jahr (und das war wirklich schlimm!) kann es gar nicht sein. Wunschdenken war das! Es kam noch schlimmer! Was wir geschimpft und geflucht haben, wollt ihr gar nicht wissen.

Zunächst haben wir uns über die Menschen gewundert, die 16 Songs für das diesjährige Dora ausgesucht haben. Wer sind diese bitte?? Die Moderatoren (4 am Stück!) haben uns versichert, es haben 16 besten Songs in die Vorausscheidung geschafft. Als ob sie sich für die Qualität der Songs entschuldigten. Manfred und ich haben uns gedacht, „wenn das hier die Besten sind, wie klingen dann die Songs, die es nicht in die Vorausscheidung geschafft haben??“ Wollen wir gar nicht wissen!

Die Performances

Was es nicht alles gestern Abend auf der Bühne gab, ach du Schreck! Mit dabei war auch die Grand Dame der kroatischen Musikszene Zdenka Kovačićek mit dem Song Love, Love, Love. Ich kenne sie noch aus meiner Kindheit. Sie singt tatsächlich so, Manfred wusste aber nicht ob er lachen oder weinen soll. Am Ende hat er gelacht.

Dann war da die Formation Namens Aklea Neon mit dem Song Zovi ju mama mit von der Partie. Was haben sich die Sängerinnen um den Körper gewickelt, ein Wollknäuel? Und welche Kräuter hat die Gruppe auf die Bühne mitgenommen?

Dann war da ein relativ gebrauchbarer Song Names Naivno (z.Dt. Naiv) von Marin Jurić Čivro. Abgesehen davon, dass sich der Sänger auf der Bühne sichtlich gequält hat, hat er dort sonst nix gemacht. Er stand einfach da und ging irgendwann um die Minute 2:03 schlafen. Das kann ich wohl auch.

Ein Paar helle Momente gab es doch gestern Abend bei der „Dora“. Indira mit dem Song You Will Never Break My Heart war mit der Startnummer 12 die wirklich erste ernst zu nehmende Kandidatin. Wäre nun ihr Auftritt nicht von lautem bunt so überladen gewesen, dass es weh tat. Teilweise konnte man die Sängerin vom Bühnenbild nicht unterscheiden.

Die Gruppe Colonia hatte mit dem Song Zidina gute Chancen auf den Sieg, aber der Gesang von Ivana Lovrić gefiel nicht. Zu stark wird sie an die Gesangsqualitäten der oben genannten Sängerin Indira gemessen (der sie nicht wirklich konkurrieren kann), die nämlich die Sängerin von Colonia seit der Gründung der Gruppe im Jahr 1996 bis 2017 war.

Den einzig international gebrauchten Song lieferte die 17-jährige Mia Negovetić mit der vorletzten Startnummer When it Comes to You. So locker und perfekt gesungen hat gestern Abend keiner der Kandidaten. Da haben wir uns gedacht, jetzt könnt euch alle warm anziehen. Sie wird gewinnen! In der Tat, völlig verdient gewann Mia die Jurywertung!

Mit der letzten Startnummer 16 kam ein weiterer Favorit auf der Bühne. Damir Kedžo mit dem Song Divlji vjetre (Wilder Wind). Zweifelllos hat Damir sehr gut gesungen, aber dem Song fehlte jedoch der letzte Kick. Bei der Jurywertung belegte Damir den zweiten Platz hinter Mia.

Nun lag es an den Moderatoren (immer noch zu viert!) die Wertungen der Zuschauer vorzulesen. Die Zuschauer setzten Damir Kedžo an die erste Stelle und Mia Negovetić auf die Zweite. Nun hatten wir den Gleichstand an der Spitze mit jeweils 31 Punkten. So kam die Regel der Dora 2020 zum tragen: Im Falle eines Gleichstands gewinnt der Kandidat, der die meiste Punkte von den Zuschauern bekommt. Nun darf Damir Kedžo Kroatien mit dem Song Divlji vjetre in Rotterdam vertreten. Die Entscheidung ist mehr oder weniger in Ordnung, den kaum was besseres war gestern Abend dabei, aber die bessere Chancen in Rotterdam hätte eindeutig Mia Negovetić gehabt.

Dora Fazit im Allgemeinem: schlechter geht es kaum! Nicht um sonst hat der kroatische Rundfunk im Vorfeld der Dora die Songs nicht veröffentlicht. Sollte es 2021 wieder eine Dora geben, überlegen wir uns gut ob wir uns das auch ein drittes mal antun wollen.