Mehr Transparenz verspricht das schwedische Fernsehen vom neuen Modus. Doch verlieren könnten vor allem die Zuschauer.

„Vi har ett resultat!“ – „Das Ergebnis steht fest“, heißt es beim Melodifestivalen. 2019 wird es möglicherweise anders ausfallen als 2018. Für die kommende Ausgabe hat sich das Team um Christer Björkman ein neues Zählverfahren für die Zuschauerstimmen ausgedacht. Im Blog von SVT wurde heute folgende Änderung beschrieben:

    • Die Zuschauer werden in insgesamt acht gleichwertige Jury-Gruppen eingeteilt. In jeder Jury-Gruppe werden Punkte von 1-12 vergeben. Der Beitrag, der in einer Gruppe die meisten Stimmen bekommen hat, erhält 12 Punkte – und so weiter.
    • Die Stimmen per Anruf oder SMS werden in einer Jury-Gruppe zusammengefasst. Jeder Anruf und jede SMS zählt also nur noch zu einem Achtel.
    • Bei App-Nutzern wird vorher aufs Alter geschaut. Ihre Stimmen kommen dann, je nach Alter, in eine von sieben Altersgruppen:
      • 3-9 Jahre
      • 10–15 Jahre
      • 16–29 Jahre
      • 30–44 Jahre
      • 45–59 Jahre
      • 60–74 Jahre
      • Über 75 Jahre

Für den Zuschauer ändert sich auf dem ersten Blick eigentlich nichts. Jeder kann weiterhin per Anruf, SMS oder App abstimmen. Allerdings verändert sich das Gewicht einer Stimme. Und das ist davon abhängig, wie viele Stimmen in einer Jury-Gruppe abgegeben werden.

Warum ändern die Schweden das Zuschauer-Voting?

Seit mehreren Jahren können die Zuschauer nicht nur per Telefonanruf, sondern auch über eine App abstimmen. Mittlerweile ist diese mobile Anwendung so populär, dass sie mittlerweile das klassische Abstimmen per Anruf/SMS in den Schatten gestellt hat. Die App steht zudem in Schweden in der Kritik, da sie angeblich nur von Jüngeren verwendet werde. Der Sender reagiert auf die Kritik und will hier nun Transparenz schaffen. Nach der Sendung sollen die Ergebnisse der einzelnen Jury-Gruppen veröffentlicht werden.

Altersdiskriminierung – Das Gewicht einer Stimme ändert sich

Die eigentliche Dreistigkeit ist jedoch, dass das Gewicht eines Anrufs, eines Telefonats oder eine Stimme per App nicht mehr gleich ist. Noch schlimmer: Der Wert einer Stimme schrumpft, je mehr Nutzer einer Altersgruppe über die App abstimmen. Er steigt, wenn wenige in einer Altersgruppe über die App abstimmen. Die Stimme eines 3-Jährigen kann mehr wert sein, als die einer 28-Jährigen. Und überhaupt, ob es sinnvoll ist, einem 3-Jährigen bereits schon ein Smartphone in die Hand zu drücken, mag man hierzulande bezweifeln. Das finden vielleicht nur die Schweden toll.