Marco Schreuder und Alkis Vlassakakis reden charmant über den Song Contest

„Endlich!“, habe ich gedacht, nachdem ich die erste Folge des neuen Eurovision-Podcast gehört habe. Nicht weil es einen neuen Podcast zum ESC gibt, sondern weil es daran liegt, dass Merci Chérie einfach meinen Geschmack trifft: Endlich gibt es einen sehr guten Podcast über den Eurovision Song Contest.

Wer sind die Moderatoren von Merci Chérie?

Marco Schreuder, bekannt durch seine Blogartikel bei DER STANDARD als Song-Contest-Experte, hat sich für diesen Podcast mit Alkis Vlassakakis zusammengeschlossen.

Beide sind mit dem Eurovision Song Contest quasi verheiratet. Und sie verbindet die Migration ihrer Eltern nach Österreich: Marco ist gebürtiger Niederländer, Alkis ist in Berlin aufgewachsen und Sprössling griechischer Einwanderer.

Der Name des Podcast ist, wie viele sicherlich wissen, an den Siegertitel von 1966 abgeleitet, mit dem Udo Jürgens für Österreich den ersten Sieg beim Song Contest holte.

Erste Folge mit spannendem Gast

Marco und Alkis haben zu ihrer ersten Sendung Eberhard Forcher eingeladen. Er ist Sänger der Band Tom Pettings Hertzattacken gewesen. Seit 2016 ist er Mitglied der internen Song-Contest-Auswahlredaktion des ORF. Forcher entscheidet mit, wer für Österreich zum Song Contest fährt. Munter und offen spricht er über den diesjährigen Auswahlprozess, der sich etwas länger hinzog. Und man spürt auch, welche Herzensangelegenheit für ihn der Song Contest ist und wie wichtig ihm eine gute Auswahl ist:

„Unser Ziel ist es  Erster zu werden. […] Ich gehe gerne mit Künstlern an den Start, die für dieses Thema [Song Contest] brennen.“

Eberhard Forcher, „Merci Chérie – Der Eurovision Podcast“ Folge 1

Kein Fakten-Terror, keine Längen

In der zweiten Folge trauen sich Marco und Alkis heikle Themen anzufassen. So redeten sie über den rumänischen Vorentscheid, der wegen des starken Übergewichts des Jury-Votings kritisiert wurde. Marco Schreuder entwickelte sogar eine interessante These, die in der überhitzten Diskussion im Internet gar nicht zum Eindruck kommen würde. Zu der Meinung, dass Laura Bretan wegen ihres offenen Bekenntnisses zum Evangelikalismus abgewertet wurde, sagte Marco:

Ist es nicht der Spirit von Eurovision, dass alles Platz hat. Dass man alles sein darf? […] Und dann darf man doch auch mal evangelikal sein und Bibel lesen und so what. Das ist auch Teil unserer Gesellschaft. Mit der müssen wir auch leben, dass es sie gibt.

Marco Schreuder, „Merci Chérie – Der Eurovision Podcast“ Folge 2

Auch die Querelen um den ukrainischen Vorentscheid wurden angesprochen, obgleich zum Zeitpunkt der Ausstrahlung klar war, dass die Ukraine nicht am ESC 2019 teilnehmen wird.

Beide quälen den Zuhörer nicht mit Punkten, mit Platzierungen oder irgendwelchen Wettquoten. Sie reden Tacheles, schnörkellos, pointiert. Ohne Ähs und Wortfindungsstörungen. Und vor allem: Sie reden dabei langsam und besonnen. Diese Art der Berichterstattung finde ich inspirierend. Da sollte ich mir vielleicht auch bei meinen künftigen Video-Interviews etwas abschauen.

Wann kommt die nächste Folge?

Doch leider findet der Podcast viel zu selten statt. Nur für alle zwei Wochen ist eine Folge geplant. Im April und im Mai soll es aber dann aber zur Hochsaison des Eurovision Song Contest viele Sonderfolgen geben.

Es wäre keine Überraschung, wenn PÆNDA zu den nächsten Gästen gehören würde. Das kann nur eine großartige Folge werden!

Hier kann man den Podcast online hören

1 KOMMENTAR

  1. Der Podcast mit Eberhard Forcher ist so ziemlich das interessanteste Gespräch in Zusammenhang mit der österreichischen Teilnahme am ESC das mir jemals untergekommen ist. Aber dafür braucht man halt auch einen Gesprächspartner der so offen antwortet wie EF.

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