Israel hieß Europa und Australien beschwingt willkommen.

Das erste Halbfinale vom 64. Eurovision Song Contest 2019 ist vorbei und 10 Länder freuen sich, im Finale nochmals antreten zu dürfen. Die erste Show bot visuell viele Höhepunkte, aber die Gehörgänge mussten oftmals leiden. So fragt man sich, ob es wirklich 10 Lieder verdient haben am Samstag antreten zu dürfen.

Mit einer fröhlich bunten Show begrüßte Israel Europa und Australien in Tel Aviv. Gleich das Intro von Vorjahressiegerin Netta mit ihrem Toy kreierte grandiose Stimmung in der eher kleinen Halle und auch die vier Moderatoren strahlen mit ihrer klassischen Anmoderation die israelische Begeisterung über die Gastgeberrolle aus, wobei der wohl bekannteste von ihnen Erez Tal am farblosesten blieb.

Aber es ging ja um die Beiträge. Und schon schnell eroberte Tamta aus Zypern auf die Bühne. Sie wirkte erschreckend heißer, aber dank poppigem Song darf sie im Finale nochmals antreten. Eleni Foureira hat große Fussspuren hinterlassen.

Die drei folgenden Beiträge teilten nicht das Glück mit Zypern. Montenegros Sextett D-Mol sangen zwar sauber, aber der Song war zu altbacken, um zum Finale zugelassen zu werden.

Finnlands Darude besitzt einen großen Namen, jedoch hatte er wohl nicht das glücklichste Händchen bei der Wahl seines Interpreten und seines Songs. Am Anfang ging die Stimme von Sebastian Rejman total unter und zum Schluss gab es zu viel Look away.

Überraschend blieb Polen mit dem Quartett Tulia auf der Strecke, obwohl die vier Damen sehr souverän ihr Lied Fire of Love (Pali się) zum Besten gaben. Da darf man gespannt sein, wo sie gelandet sind und wo die Punkte herkamen.

Mit Slowenien wurde es dann angenehm ruhig in der Halle und diese Wohltat honorierten die Juries und Televoter. Als letztes wurde der Umschlag für Zala Kralj & Gašper Šantl geöffnet, welches die beiden versteckt unter der Nationalflagge feierten. Im Finale gibt es ein Wiedersehen mit dem intimen Vortrag der Slowenen.

Lake Malawi erfüllten auf Start-Nr. 6 das in sie gesetzte Vertrauen. Jugendlich frisch und mit einer einzigartigen Bildchoreographie überzeugten die drei Jungs aus Tschechien und sorgten für Begeisterung in der Halle.

Nach der Pause durfte dann der etablierte Joci Pápai aus Ungarn ran. Die sichere Finalteilnahme stand außer Frage, da er ja schon vor zwei Jahren Achter in Kiew wurde. Sein Auftritt war stimmig und stimmlich bot er alles. Aber das Finale wird ohne ihn stattfinden. Sicherlich die größte Überraschung im ersten Halbfinale.

Dahingegen schlüpfte zu aller Erstaunen Weißrussland aus dem zweiten Umschlag. Am Gesang konnte der Erfolg nicht gelegen haben. Zena wußte wohl eher durch ihre Show und das sehr farbenfrohe Bühnenbild zu überzeugen.

Die wohl stärkste Stimme an diesem Abend kam aus Serbien. Nevena Božović, die noch 2013 mit Moje 3 scheiterte, interpretierte ihr Lied Kruna so ausdrucksstark, dass man sich ganz auf sie konzentrierte und die Bühnenshow eher zur Nebensache geriet.

Die beiden folgenden Länder wussten trotz gegensätzlicher Performance nicht das Publikum und die Juries zu überzeugen. Der belgische Sänger Eliot stand eher verloren auf der großen Bühne, als ob man ihn im Spieleparadies vergessen hatte. Dabei hatte das Land ein eingängiges Lied von einem renommierten Autoren ins Rennen geschickt.

Demgegenüber klang der Song der Georgier eher sperrig, aber der Künstler Oto Nemsadze gab bei seiner Interpretation alles und die visuelle Gestaltung der Backgrounds bot alles auf. Aber es gab kein Ticket fürs Finale.

Wenn man 30 Jahre den Eurovision Song Contest zugeschaut hat, dann kann man viel lernen. Und Down Under hat es sogar noch verfeinert. Drei an Pfählen befestigte Grazien schwebten in 5 Metern Höhe über die Bühne. Laut der Sagenwelt liess sich Odysseus an den Mast seines Schiffes festmachen, um den Sirenen lauschen zu können. Australien drehte den Spieß um. Neben der artistischen Hochleistung blieb auch noch die Stimme von Kate Miller-Heidke klar. Ein Augen- und Ohrenschmaus.

Nach einer weiteren Pause wurde es mit Island bizarr. Aber Hatari beherrschten ihre Show und Europa dankte es ihnen. Könnte es nach 1999 und 2009 wieder einen zweiten Platz 2019 geben?

Verloren mit seiner Gitarre wirkte anschließend der Schwedenimport für Estland Victor Crone. Sein Sturm war eher ein laues Lüftchen und stimmlich balancierte er oft nah am Abgrund. Aber wir sehen ihn im Finale wieder.

Das war wohl zu extravagant Portugal. In der Heimat wurde Conan Osíris mit großer Mehrheit gewählt, aber in Tel Aviv geriet der Auftritt zu etwas gewöhnlichem. Da die Darbietung nicht unbedingt vom Gesang lebte, blieben nur zuckende Bewegungen und ein Treppauf und ab übrig. Schade.

Die größte stimmliche Enttäuschung bot Katerine Duska aus Griechenland. Sie verdankt höchstwahrscheinlich ihrem Lied Better Love das Weiterkommen. Die hohen Töne lagen ihr nicht und manches klang als ob ihr Gebiss locker sässe. Aber schräge Töne verzeiht man wie schon in Kiew den Griechinnen und will es am Samstag nochmals hören.

Zum Schluss kam dann nochmals Party auf die Bühne. Zwar traf Serhat nicht jeden Ton, aber sein Stimmungssong für San Marino versteckte sich zur großen Überraschung vieler im neunten Umschlag. Hat er von seiner Startposition profitiert.

Insgesamt präsentierten sich viele Künstler stimmlich fragil, so dass man sich fragte, ob unbedingt 10 Lieder weiter ins Finale müssen. Waren es die Nervosität und die vielen Proben der letzten Tage? Die, die es ins Finale geschafft haben, besitzen nun die Chance am Samstag nochmals alles zu geben.

Israels Sender wusste die Votingpause gut zu nutzen. Der Auftritt von Dana International geriet zu einer Hommage und passte grandios ins Konzept mit der sogenannten Kiss-Cam und der Zusammenschnitt vieler alter Eurovisionsmomente zu einem einzigen Song lässt sich als ein Höhepunkt des ersten Halbfinals sehen. Zudem schaffte es Israel mit seinen Postkarten „Dancing Israel“ für das Land beschwingt zu werben.

Wir sind gespannt auf Donnerstag, wo das stärkere Halbfinale auf uns wartet. Wer darf sich freuen und wem wird die Rolle Ungarns zufallen? Aber eines wissen wir schon: Zehn werden weiterkommen.

6 KOMMENTARE

  1. Das war wohl das schwächste Semi, das wir je gesehen haben.

    Zu den Moderatoren fällt mir nur schlechtes Englisch und wenig Witz ein. Netta kam auch eher peinlich rüber.
    Zypern schwach, Montenegro erstaunlich gut gesungen. Finnland langweilig, Polen nicht mein Fall. Habe mich sehr für Slowenien gefreut, wobei ich es äußerst gemein fand, dass sie als letzte erlöst werden. Tschechien sympathisch und verdient weiter. Ungarn auch nichts für mich, Weißrussland mit toller Performance der Aufsteiger des Abends. Serbien öde. Schade um den tollen Song aus Belgien, aber der sehr schwache Auftritt und die XXL-Feuerwehrjacke ließen schon Schlimmes vermuten. Georgien einfach furchtbar, Australien wirklich toll. Island nichts für mich, Estland mit schwachem Song und vielen falschen Tönen. Portugal viel zu schräg. Die Griechin mit einem super Lied, aber erstaunlich vielen Patzern im Gesang.
    Und dann der absolute Höhepunkt – im negativen Sinn: Serhat hat die wohl schlechteste Gesangsleistung der ganzen ESC-Geschichte dargeboten. Einfach nur grauenhaft, der Finaleinzug kann nur ein verspäteter Aprilscherz sein. Absolut zum Fremdschämen auch, dass sich bei der Pressekonferenz fast alles nur um ihn drehte.

    Fazit: Es kann nur besser werden. Freue mich daher nun besonders auf Semi 2.

  2. Mein Favorit war ganz klar der aus Georgien .Der Mann konnte singen .Leider hat Europa es nicht verstanden ,sehr schade .

  3. Ich dachte gestern schon das mein Fernseher kaputt sei: so viele falsche und schräge Töne habe ich schon lange nicht mehr gehört. Könnt Ihr bitte insbesondere Serhat ausrichten bis Samstag auf die Partys zu verzichten?

  4. So wie der Ton gemischt war konnte man wirklich jeden schiefen Ton hören und davon gab es genügend. Der schräge Gesang hat teilweise komplett abgelenkt. Wenn man so schlecht „singt“ wie Serhat und Viktor Crone und dazu ein so belangloses Lied hat sollte man es aber nicht ins Finale schaffen. Das enttäuscht etwas da sowas immer bestraft wurde. Dann lieber professionelle Beiträge aus Ungarn und Portugal.

  5. Dieses Halbfinale war vom Niveau her eine Zumutung..stimmlich ganz schlimm und teilweise katastrophale Entscheidungen wer weiter kommt

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