Wer gewinnt Melodifestivalen 2020?

Am Samstag findet in der Friends Arena in Stockholm das Finale des Melodifestivalen 2020 statt. Nachdem in den letzten 5 Jahren immer männliche Solo Acts gewonnen haben, stehen in diesem Jahr mit Dotter, Anna Bergendahl und Hanna Ferm die Damen hoch im Kurs. Marc und Salman sind live vor Ort in Stockholm und haben sich die Proben angeschaut. Hier ihre Einschätzung zu den einzelnen Acts.

1. Victor Crone – Troubled Waters
Dino Medanhodzic, Benjamin Jennebo, Victor Crone

Marc: Troubled Water ist ein ordentlicher Opener des Mello. Knüpft thematisch und musikalisch an Storm von 2019 an. Ist gefällig, aber löst bei mir keinen Wow-Effekt aus. Gehört für mich daher nicht zu den Sieganwärtern.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Salman: Ein guter Radiosong. Zwar nicht so eingängig wie sein letztjähriger estnischer ESC-Beitrag „Storm“ , aber trotzdem unverkennbar Victor Crone. Bei den hohen Stellen lässt er komplett die Background Sänger singen wie bei den „Ear-In Aufnahmen“ deutlich zu hören ist. Tut keinem weh, wird aber auch nicht gewinnen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

2. Paul Rey – Talking In My Sleep
Paul Rey, Lukas Hällgren, Alexander Standal Pavelich

Marc: Talking in my Sleep besticht eigentlich durch seine Schlichtheit. Weder Song noch Bühnenshow sind zu überladen. Allerdings kann er mit den weiblichen Top-Favoriten 2020 nicht ganz mithalten.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

Salman: Paul hat sich über das Andra Chansen für das Finale qualifiziert. Er steht alleine auf der Bühne und der volle Fokus liegt auf ihn und seine Stimme. Ich finde die Hauptzeile Talking in my sleep ist zu repetitive. Deshalb wirkt der Song zumindest beim ersten Hören ziemlich langweilig.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

3. The Mamas – Move
Melanie Wehbe, Patrik Jean, Herman Gardarfve

Marc: Der Auftritt von den Mamas wird die Stimmung in der Friends Arena zum Kochen bringen. Beeindruckend ist die Stimmgewalt der Mamas. Dafür wird es viele Jurypunkte geben. Da der Gospelsong keinen zu 100% eingängigen Refrain hat, sehe ich ihn im Televoting jedoch nicht ganz vorne.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Salman: Absoluter Gute Laune Song. Man möchte gleich mitsummen und mitsingen. The Mamas waren schon letztes Jahr als Background Sängerinnen von John Lundvik dabei und sind stimmlich top. Sie zählen zum erweiterten Favoritenkreis, aber für ganz oben wird es denke ich nicht reichen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

4. Mohombi – Winners
Jimmy Jansson, Mohombi Moupondo, Palle Hammarlund

Marc: Mohombi ist ein Sonnenschein und lässt sich auch durch aktuell gesundheitliche Probleme nicht abschrecken. Winners ist aber leider kein Gewinner-Song, wie der Titel vielleicht suggeriert, sondern einfach schön und nett. Und wo „nette“ Songs am Ende häufig landen ist ja kein Geheimnis.

Bewertung: 4,5 von 10 Punkten

Salman: Mohombi ist auch Wiederholungstäter und war letztes Jahr mit dem Song Hello dabei. Ich finde seinen diesjährigen Song schwächer. Winners ist nicht so eingängig und blieb bei mir auch nach mehrmaligen Hören nicht hängen. I am sorry, no winner!

Bewertung: 4 von 10 Punkten

5. Hanna Ferm – Brave
David Kjellstrand, Jimmy Jansson, Laurell Barker

Marc: Der vermeintlich stärkste Song im Feld mit dem aussichtsreichen letzten Startplatz im 4. Semifinale führte lange die Wettquoten an und sackte dann kontinuierlich ab. Hanna sieht bezaubernd aus und der Song klingt frisch und modern. Brave hat Ohrwurmqualitäten und wird weit vorne mitmischen. Mir ist die Bühnenshow mit dem herumwirbeln am Kleid einen Tick zu hektisch.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Salman: Hanna galt lange Zeit als Topfavoritin für den Sieg. Sie hatte auch von SVT den aussichtsreichen letzten Startplatz im 4. Semifinale ergattert. In den letzten zwei Wochen ist dann aber die Euphorie rund um den Song etwas abgeflacht. Der Song lebt mehr von seiner Performance als vom Gesang, wäre aber trotzdem ein starker Beitrag.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

6. Mendez feat. Alvaro Estrella – Vamos Amigos
Palle Hammarlund, Jimmy Jansson, Jakke Erixson, Leo Mendéz

Marc: Das bringt eine Brise Latino Feeling in die Arena. Okay, an den großen Bruder Despacito kommt es nicht ran. Vamos Amigos wird aber für viel Gute Laune in der Friends Arena sorgen. Für ein paar Televoting Stimmen dürfte es aber allemal reichen. Bei den Jurys sehe ich eher schwarz.

Bewertung: 3,5 von 10 Punkten

Salman: Mit der Musik von Mendez kann ich nicht viel anfangen. Sie schafft zwar für gute Laune aber ist trotzdem recht trashig. Wenigstens hat er sich stimmlich und optisch in diesem Jahr Unterstützung von Alvaro hinzugeholt. Not my cup of tea.

Bewertung: 2 von 10 Punkten

7. Dotter – Bulletproof
Dino Medanhodzic, Johanna Jansson, Erik Dahlqvist

Marc: Vor 2 Jahren war sie der gefallene Favorit. Nun kommt Dotter wie Phönix aus der Asche zurück. Hier vor Ort zweifelt kaum jemand am Sieg von Dotter. Bulletproof besticht mit Hitpotenzial und Ohrwurmqualität. Dotters Ass im Ärmel ist die Bühnenshow. Passend zu „Shoot me in the Middle“ gibt es eine Lasershow par Excellence auf Dotters Spiegel-Outfit. Das könnte der Televoting-Sieger werden!

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Salman: Wenn man den Wettquoten vertraut, wird Dotter haushoch gewinnen. Der Song ist hochqualitativ, Dotter hat eine tolle Stimme und die Lichteffekte in der Performance sind sehr catchy. Die Voraussetzungen sind also sehr gut, dass aus Rotterdam „Dotterdam“ wird. Aber dennoch hat der Song bei mir erst nach mehrmaligem Hören gezündet.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

8. Robin Bengtsson – Take A Chance
Jimmy Jansson, Karl-Frederik Reichhardt, Marcus Winther-John

Marc: Toller hymnischer Beitrag von Robin Bengtsson. Ich mag den Song und bin überrascht, dass er hier bei vielen Experten und dem Radar durchfliegt und wenig genannt wird. Allerdings ist seine Bühnenshow diesmal nicht so ein Knaller und Hingucker wie bei I can’t go on. Könnte aber hinter den Favoritinnen, der erfolgreichste Beitrag eines männlichen Mello-Acts 2020 werden.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten

Salman: Ich persönlich finde den Titel sogar besser als Robin’s ESC Beitrag 2017 I can’t go on. Er baut sich sehr schön auf und hat am Schluss einen Höhepunkt. Dennoch scheint er beim schwedischen Publikum in diesem Jahr nicht zu zünden. Vielleicht liegt es auch daran, dass Schweden in diesem Jahr endlich mal wieder eine Frau gewinnen sehen will.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

9. Mariette – Shout It Out
Thomas G:son, Cassandra Ströberg, Alex Shield, Mariette Hansson

Marc: Mariette mag ich als Mensch sehr gerne. Sie genießt die Energie im Kreise der Mello-Familie immer in vollen Zügen. Aber um sie mache ich mir 2020 Sorgen, denn ihr Beitrag steht etwas im Schatten der anderen weiblichen Teilnehmerinnen und das verheißt nichts Gutes. Ich wünsche es ihr nicht, aber ich befürchte Shout it out wird weit hinten landen.

Bewertung: 4,5 von 10 Punkten

Salman: Während Mariette in den letzten Jahren immer zu den Favoriten gezählt hatte, gilt in diesem Jahr für sie die Devise „Dabeisein ist alles“. Ein netter Song, mehr nicht! Schade, denn von ihr war mit Sicherheit mehr zu erwarten!

Bewertung: 5 von 10 Punkten

10. Felix Sandman – Boys With Emotions
Tony Ferrari, Parker James, Peter Thomas, Philip Bentley, Nicki Adamsson, Felix Sandman

Marc: Dass sich Felix Sandman als einer der frühen Favoriten nicht direkt qualifiziert hat war eine faustdicke Überraschung. Der Song klingt frisch und modern und erinnert etwas an Ed Sheeran und Justin Bieber. Allerdings sind diese Fußstapfen zu groß für Felix – auch stimmlich. Boys with Emotions traue ich aber im Televoting so einiges zu.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Salman: Felix Sandman hat sich in diesem Jahr überraschenderweise nur über das Andra Chansen qualifiziert. Der Song hat eine starke Message und tolle Lichteffekte, ist aber wohl nicht Mainstream genug. Ein guter Mittelfeldplatz ist drin, aber ganz vorne wird er nicht landen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

11. Anna Bergendahl – Kingdom Come
Bobby Ljunggren, Thomas G:son, Erik Bernholm, Anna Bergendahl

Marc: Anna is back – und wie! Was wird wohl ihr „Kingdom“? Schweden oder vielleicht sogar Europa? Auf jeden Fall verzückt Anna mit Kingdom Come international viele Schlager- und Mello-Fans. Während hier vor Ort viele schwedische Fans häufig Dotter als Favorit nennen, hört man bei den internationalen Fans meistens Anna Bergendahl. Der Song ist super eingängig und hymnisch und mit den Tänzern dreht der Kingdom Come am Ende nochmal richtig auf.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Salman: ESC Feeling pur! Toller eingängiger Song der sofort für gute Stimmung sorgt angereichert mit einer super Performance für Auge. Das beste Komplettpaket für Rotterdam! Aber ob die Schweden ihr verzeihen, dass sie 2010 in Oslo nicht das Finale erreicht hat? Ich würde es ihr gönnen, denn mit Kingdom Come hat sie eine zweite Chance beim ESC auf jeden Fall verdient.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten

12. Anis Don Demina – Vem e som oss
Anderz Wrethov, Johanna Elkesdotter Wrethov, Anis Don Demina, Robin Svensk

Marc: Also positiv finde ich, dass Anis Don Demina eine neue Farbe ins Melodifestivalen bringt. Vem e som oss wird als letzter Act nochmal für gute Stimmung sorgen. Der Beitrag fällt auf und dürfte bei den Jugendlichen und im Televoting zünden, aber bei den Jurys unten durchfallen.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

Salman: Hatten Victor & Samir in diesem Jahr keine Zeit? Der Song von Anis hat exakt denselben Stil. Ein schwedischer Comedy Beitrag mit viel Rumgehampel. Im Televoting kommt sowas gut an, aber bei der internationalen Jury wird er nichts reißen. Anis wird nicht traurig sein, da der Song bereits jetzt sehr erfolgreich in den schwedischen Streaming Charts ist.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Unsere finale Prognose:

Marc: 1. Dotter, 2. Anna Bergendahl, 3. The Mamas

Salman: 1. Anna Bergendahl (mit viel Hoffnung), 2. Dotter, 3. The Mamas

Wer am Schluss tatsächlich Schweden vertritt, könnt ihr euch am Samstag ab 20Uhr hier per Livestream anschauen. Wir wünschen viel Spass!