Durch die Ereignisse der letzten Wochen bin ich nicht wirklich überrascht über die Absage, aber trotzdem fühlt es sich im Moment noch nicht real an.

Ich verfolge den Song Contest seit dem Jahr 1979 und hätte wie in den meisten Jahren auch dieses Jahr in Rotterdam meinen Geburtstag gefeiert. Seit meinem 8. Lebensjahr verfolge ich ihn jährlich. Seit 1990 durfte ich bis auf eine Ausnahme jedes Jahr vor Ort mit dabei sein. Viele Freundschaften sind dadurch entstanden die bis heute noch bestehen. Diese Menschen hätte ich ohne den ESC nie kennengelernt. Diese Menschen bleiben trotzdem bestehen, auch wenn man sie ein Jahr nicht persönlich trifft.

Aus dem Hobby wurde mein Beruf für über 20 Jahre und nun ist es wieder ein Hobby. Nur ein Hobby ? Nein, der Song Contest war und ist für mich ein Teil meines Lebens geworden. Für viele Zuseher mag er nur eine Fernsehsendung sein, aber können sich nicht wirklich vorstellen was hinter den Kulissen zur Vorbereitung alles organisiert werden muss. 41 Delegationen mit den Künstlern, dem Team aus Head of Delegation sowie Head of Press und Vertreter der Plattenfirma, dem Produzenten, Choreographen arbeiten im Schnitt seit Oktober tagtäglich an dem Projekt Song Contest. Jeder reist an mit einem Traum der entweder nach 3 Minuten im Semi Finale ausgeträumt wurde oder bis nach dem Finale geht.

41 Länder und Teams die seit einigen Stunden wissen viel Arbeit und Passion über mehrere Monate mussten durch die Ereignisse die momentan die ganze Welt beschäftigt beendet werden. Für mich die einzige Option die seitens der EBU vertretbar ist. Wir wissen nicht was in 2 Monaten oder einem halben Jahr mit diesem Virus passiert.

Unterm Strich handelt es sich „nur“ um ein Musikwettbewerb. Und wenn Menschenleben dadurch gefährdet werden, ist eine Absage gerechtfertigt. Alle anderen Optionen mit Schaltung in die Länder (was auch nicht fair wäre, da San Marino RTV nie die selben Möglichkeiten hätte wie eine BBC) haben mit dem „Spirit“ Song Contest und dem Gefühl mit einem Kontinent zusammen an einem Abend in der Halle oder im Pressezentrum zu sein nichts zu tun und das merken eben die Fernsehzuseher.

Auch die Hardcore Fans werden sich irgendwann hoffentlich wieder beruhigen und auch verstehen dass den Veranstaltern keine andere Wahl zur Verfügung stand.

Der Song Contest wird weiterleben und wie bereits angekündigt besser den je werden. Und ganz besonders Jon Ola Sand hätte sich sicher auch einen anderen Abschied gewünscht.

Mit voller Hoffnung dass wir alle gesund bleiben.

Tot ziens Rotterdam 2021!!!