Die beiden Favoriten im Check

Genau vierzig Jahre nach dem Song Contest in Den Haag wird Europas größtes TV-Musik-Ereignis wieder in den Niederlanden stattfinden. Mit dem Sieg in Tel Aviv haben die Niederländer das Austragungsrecht für den Song Contest 2020 erhalten. Die Bedeutung dieses Projekts ist so groß, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaften AVROTROS, NPO und NOS dieses Prestigeprojekt gemeinsam durchführen. Das Interesse ist hoch gewesen: Ganze neun Städte wollten den Wettbewerb ausrichten. Ein schriftliches Gebot haben am 10. Juli schließlich Arnhem, Den Bosch, Maastricht, Rotterdam und Utrecht abgegeben.

Eurovision.tv berichtete, dass nun Maastricht und Rotterdam in der engeren Wahl sind. Es heißt, dass beide Städte über eine geeignete Halle für die TV-Show, die Plätze für Nebenveranstaltungen wie den EuroClub, das Eurovision Village und die benötigten Hotelkapazitäten verfügen. Zudem scheinen beide Städte über genügend finanziellen Rückhalt zu verfügen. Maastricht hat sich da schon im Vorfeld das benötigte Kapital zusichern lassen. Alleine 15 Millionen Euro soll das Budget für den Song Contest betragen, zu dem die EBU dann schließlich 6 Millionen Euro zusätzlich beitragen soll.

Im August soll schließlich feststehen, welche Stadt das Rennen macht. Bis dahin wollen wir uns mal die Bewerberstädte, ihre Bewerbung und ihre Chancen genauer anschauen.

Maastricht

Die Hauptstadt der Provinz Limburg mit rund 120.000 Einwohnern liegt ganz im Süden der Niederlande. Im Westen der Stadtgrenze beginnt schon Belgien. Und auch bis nach Deutschland sind es nur wenige Kilometer.

Maastricht ist nicht nur ein beliebtes Ziel für Kongresse und Tagungen, sondern auch ein lebendiger Wirtschaftsstandort mit gut ausgeprägter Industrie. Im Vorfeld sicherte die Provinz den Organisatoren zu, die Bewerbung Maastrichts finanziell üppig zu unterstützen. Aus diesem Grund scheint es auch naheliegend zu sein, dass die Bewerbung eigentlich unter dem Namen „Maastricht-Limburg“ läuft.

Veranstaltungsort

Der Song Contest soll im MECC, dem Maastricht Expo Center, stattfinden. Es ist zu Fuß vom Hauptbahnhof erreichbar und in etwa so ausgestattet wie das Tel Aviv Expo Center. Es soll möglich sein, die beiden großen Messehallen so miteinander zu verbinden, dass sich ein riesiges TV-Studio mit 10.000 Zuschauern ausgeht. Ein Kritikpunkt soll aber sein, dass die Raumhöhe des Gebäudes zu niedrig sei um die Beleuchtungstechnik und die Kameras unterzubringen. Ansonsten zeigt man sich begeistert von dieser Lösung.

Infrastruktur

Maastricht ist gut mit dem Zug angebunden. Die Stadt sieht sich umgeben von vielen Flughäfen, wobei man sagen muss, dass es zum Flughafen Maastricht wenige direkte internationale Verbindungen gibt. Hier müsste man schon entweder in Köln/Bonn oder Brüssel landen und dann mit dem Zug oder Bus nach Maastricht weiterfahren.

Hotels

Als Kongressstadt verfügt Maastricht über viele Hotels und ist in der Lage, die Delegationen und die Techniker unterzubringen. Hierfür habe man vorsichtshalber schon die Hotels geblockt. Für die Besucher wird man auch auf die Hotels in der ländlichen Umgebung zurückgreifen müssen.

Die Bewerbung

Unter dem Motto Come closer möchte man die europäischen Gäste zusammenbringen und die Gastfreundschaft der Maastrichter in den Mittelpunkt rücken. Auch hebt man die musikalische Bedeutung der Stadt in den Vordergrund, findet man doch rund ein Viertel der Musikschulen in der Region Limburg. Als wichtigsten Fürsprecher haben sich die Organisatoren André Rieu, selbst gebürtiger Maastrichter, ausgesucht. Mit über 40 Millionen verkauften Tonträgern gilt er als das bekannteste Kind der Stadt.

Fazit

Maastricht strotzt vor Selbstsicherheit. Die Stadt hat den Organisatoren die volle Unterstützung zugesichert. Auch die EBU liebgäugelt mit Maastricht. Jedoch könnte den niederländischen Fernsehsendern die Idee, Gäste einfach in den angrenzenden Nachbarsorten unterzubringen, ein Dorn im Auge sein. Und auch die Distanz zum Kernland wäre nur schwer zu begründen. Wenn jedoch das Ziel wäre, einen möglichst schlanken und charmanten Song Contest zu inszenieren, der Regionalität und die europäische Idee mehr in den Vordergrund stellt, dann wäre Maastricht die richtige Wahl.

Rotterdam

Die zweitgrößte Stadt der Niederlande steht im Schatten der Hauptstadt Den Haag und dem Tourismusmagneten Amsterdam. Dabei verfügt Rotterdam über den größten Küstenhäfen Europas und lebt gut vom internationalen Schiffsverkehr. Markenzeichen der Stadt sind vor allem die Wolkenkratzer und modernen Geschäftshäuser, die sich im Stadtinneren befinden.

Ahoy Rotterdam

Die Arena hat Platz für 16.000 Zuschauer. Sie wurde 2010 renoviert und war schon für eine Reihe von Konzerten und internationalen sportlichen Wettbewerben ein zuverlässiger Veranstaltungsort. 2016 fanden hier die MTV Music Awards statt. Zudem lassen sich auch die Räumlichkeiten für die Delegationen und die Presse gut unterbringen.

Infrastruktur

Hier lässt Rotterdam keine Wünsche offen: Neben dem Hafen ist die Stadt hervorragend mit öffentlichem Nahverkehr ausgestattet. Vom internationalen Flughafen Amsterdal-Schiphol ist man mit dem Fernzug in weniger als einer halben Stunde in Rotterdam.

Hotels

Verglichen mit den exorbitanten Preisen in Amsterdam ist Rotterdam moderat, wobei es auch hier an Stoßzeiten zu höheren Preise kommen kann. Trotzdem kann Rotterdam mit vielen Hotelbetten punkten. Platz ist für alle da.

Die Bewerbung

Mit For Real / Make It Happen positioniert sich Rotterdam als weltoffene, multikulturelle Stadt. Beim Ansehen des Imagespots hat man schon fast das Gefühl, man sei in einer amerikanischen Stadt wie New York. Dadurch wirkt das Video schon zu professionell und künstlich und konterkariert eigentlich das Motto. Dabei verfügt die Stadt auch über eben jene schnuckeligen Backsteinhäuser, die man sonst aus Nordeutschland kennt. Aber der Slogan ist ja noch nicht in Stein gemeißelt und wird erst sicherlich dann feststehen, wenn Logo und das grafische Erscheinungsbild ausgearbeitet wurden.

Fazit

Rotterdam hat klar die Nase vorn. Die Stadt punktet bei den Themen Infrastruktur, Hallenausstattung und Hotelkapazitäten. Das Motto ist etwas spröde und ausbaufähig. Wenn dennoch Geld keine Rolle spielt, geht der Song Contest sicher nach Rotterdam.

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