UA:PBC wollte die Künstlerin zuvor auf Linie bringen

Die Ukraine hatte erst ihre Teilnehmerin für Tel Aviv gefunden und UA:PBC hat sie dann wieder fallen gelassen. Maruv protestierte gegen ungewöhnlich strenge Vertragsbedingungen, die ihr der ukrainische Fernsehsender plötzlich nach dem Finale auferlegen wollte. Ihre Absage gab sie mit folgender Erklärung auf Facebook bekannt:

Heute dauerte unser Treffen mit dem NTKU etwa sieben Stunden und wir haben keine Einigung erzielt.

Ein paar Stunden vor der Sendung wurde ich gebeten, an der nationalen Vorentscheidung für Eurovision 2019 teilzunehmen. Ich stimmte zu und gewann, und mit großem Stolz war ich bereit, mein Heimatland – die Ukraine – auf der internationalen Gesangsarena zu vertreten.

Wie ich bereits sagte, war die Weigerung, Konzerte in Russland zu geben, für uns keine grundsätzliche Frage. Die wichtigsten Meinungsverschiedenheiten haben andere Punkten des Abkommens geführt, die, wenn ich sie unterzeichnet hätte, ich versklavt geworden wäre. Ich bin Bürger der Ukraine, ich zahle Steuern und liebe die Ukraine aufrichtig. Aber ich bin nicht bereit, Statements zu machen, die meinen Aufenthalt im Wettbewerb in Beförderungen unserer Politiker verwandeln. Ich bin eine Musikerin, kein Bollwerk der Politik.

Ich danke und schätze alle, die an mich geglaubt und für mich gestimmt haben. Und ich bitte euch, diese Tatsache zu akzeptieren und nicht in Konfrontation zu gehen. Das ist eine Selbstverständlichkeit für heute. Ich möchte meine Arbeit ohne Zensur präsentieren.

Morgen werde ich mit neuer Kraft aufwachen – um meine Musik in die Welt zu bringen und bekannt zu machen.

MARUV, Facebook

Via Twitter meldete sich der ukrainische Vizepräsident Vyacheslav Kyrylenko zu Wort in dem er mitteilte, es sei inakzeptabel eine Künstlerin zum ESC zu schicken, die im „Aggressorland“ tourt.

Oleksandra Koltsova, Mitglied des Boards von UA:PBC, gab bekannt, dass der Maruv angebotene Vertrag in den Vorjahren nicht anders war. Die einzige Änderung sei eine Regelung, die besagt, dass Maruv zukünftig nicht in Russland auftreten könne.

Russland ist aber für viele ukrainische Künstler ein großer Markt. Dort erreichen sie viel mehr Zuschauer. Das Lohnniveau ist zudem viel höher als in der Ukraine. Ein Auftrittsverbot würde Künstler dazu zwingen, langfristig auf lukrative Einnahmen zu verzichten.

Finale mit sechs Kandidaten

Im Finale gingen sechs Kandidaten an den Start, die sich über zwei Semifinali dafür qualifiziert haben. Abgestimmt wurde wie in den vorigen Shows durch 50 % Juryvoting und zu 50 % durch Televoting. Gewonnen hat Maruv mit dem Song Siren Song.

Die Wertungsergebnisse (Jury + Televoting)

  1. MARUV – Siren Song (5+6) 11
  2. Freedom Jazz – Cupidon (6+4) 10
  3. KAZKA – Apart (3+5) 8
  4. YUKO – Galyna Guliala (4+1) 5
  5. Brunettes Shoot Blondes – Houston (2+3) 5
  6. Anna Maria – My Road (1+2) 3

Politisierter Vorentscheid

In der Jury saßen:

  • Song-Contest-Gewinnerin Jamala
  • Andrij Danylko (besser bekannt als Verka Serduchka)
  • Musikproduzent Jewhen Filatow

Die Song-Contest-Gewinnerin Jamala hat den Bogen überspannt, nachdem sie die spätere Gewinnerin Maruv fragte, ob die Insel Krim Ukraine gehört oder nicht. Die Arme musste die Frage zwangsläufig mit „Natürlich“ beantworten. Zudem wurde sie über ihren Standpunkt zu Russland befragt, da sie dort einige Konzerte absolvierte, dies auch in Zukunft machen wird.

Welcher von den fünf verbleibenden Künstlern noch Lust hat, für die Ukraine an den Start heute zu gehen, ist noch nicht bekannt. Wenn man dem Geflüster im Internet folgen kann, so scheinen auch die Zweitplatzierten Freedom Jazz das Interesse am Song Contest nach diesem Hickhack zu verlieren. UA:PBC befindet sich nun in Gesprächen mit der EBU.

So haben Leser von Eurovision Austria abgestimmt:

2 KOMMENTARE

  1. Schade. Wenn Maruv die Performance in allen gezeigten Details in Tel Aviv hätte aufführen dürfen wäre das sicher in die ESC Geschichte eingegangen, egal welchen Platz sie schlussendlich belegt hätte.

  2. Die Hook ist großartig. Ob die Reference Group die Performance in allen Details zulassen wird bleibt abzuwarten. Es ist aber nicht mehr provokant als Polen 2014.

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