Von Absage bis Triumph
Zwischen 2020 und 2025 erlebte Österreich beim Eurovision Song Contest eine abwechslungsreiche Phase voller Höhen und Tiefen. Während ein geplanter Beitrag 2020 wegen der Absage des Wettbewerbs nie auf die Bühne kam, folgten in den darauffolgenden Jahren sowohl emotionale Balladen als auch moderne Club-Sounds. Dabei schwankten die Ergebnisse zwischen frühen Halbfinal-Aus und soliden Finalplatzierungen. 2025 erreichte Österreich schließlich den Höhepunkt dieser Zeitspanne: Mit einem spektakulären Auftritt gelang nach elf Jahren wieder ein Sieg beim ESC, ein historischer Erfolg, der für neue Euphorie im Land sorgte.
2020: Vincent Bueno / Alive
Vincent Bueno, ein österreichischer Sänger mit philippinischen Wurzeln, wurde 2020 ausgewählt, Österreich beim Eurovision Song Contest in Rotterdam mit dem modernen Pop-Song Alive zu vertreten. Das Stück, inspiriert von R&B- und Funk-Elementen, transportierte eine Botschaft von Selbstbewusstsein und innerer Stärke. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde der Wettbewerb jedoch abgesagt, sodass Alive nie auf der ESC-Bühne aufgeführt werden konnte. Der Song erschien dennoch digital und zeigte Buenos Vielseitigkeit als Künstler, womit er einen besonderen Platz in der österreichischen ESC-Geschichte einnimmt. Ein Jahr später erhielt Vincent Bueno schließlich doch die Chance, beim ESC 2021 anzutreten.
2021: Vincent Bueno / Amen
Nun trat Vincent Bueno 2021 für Österreich beim Eurovision Song Contest in Rotterdam mit der Ballade Amen an. Der Song, der von Trennung und Abschied handelt, setzte auf emotionale Tiefe und eine eindringliche Gesangsleistung, wodurch er sich deutlich von Buenos energiegeladenem Vorjahresbeitrag Alive unterschied. Im zweiten Semifinale konnte sich Österreich jedoch nicht für das Finale qualifizieren und belegte dort den 12. Platz. Trotz des frühen Ausscheidens bleibt Amen als ein sehr persönlicher und gefühlvoller Beitrag in Erinnerung. Kurz darauf, am 25. Juni 2021, brachte Bueno die EP Demos raus, auf der zwei Songs zu finden sind: Parachute und Dumb Human Bias – beide ursprünglich für den Eurovision Song Contest 2021 geschrieben, aber nicht ausgewählt.
Buenos Beitrag landete im Semifinale auf Platz 12. Beim Publikum lief es traditionsgemäß schlechter: nur drittletzter Platz (15) mit 13 Punkten.
Die Jury war etwas gnädiger und gab ihm 53 Punkte (Platz 11) – aber auch das reichte nicht fürs Finale.
2022: LUM!X feat. Pia Maria / Halo
LUM!X, ein international erfolgreicher DJ und Produzent aus Oberösterreich, trat 2022 gemeinsam mit der Sängerin Pia Maria für Österreich beim Eurovision Song Contest in Turin an. Ihr Beitrag Halo war ein energiegeladener Dance-Pop-Song mit eingängigen Beats und moderner Club-Atmosphäre, der Österreich ein jugendliches, zeitgemäßes Image verleihen sollte. Trotz der großen Erwartungen und der Popularität von LUM!X in der EDM-Szene konnte der Song beim Wettbewerb nicht überzeugen: Im ersten Semifinale erhielten LUM!X und Pia Maria nicht genügend Stimmen und verpassten den Einzug ins Finale.
Ganz anders als im Vorjahr: Das Publikum hatte offenbar „Gefallen“ am österreichischen Beitrag – Platz 11 mit 36 Punkten.
Die Jury hingegen kannte keine Gnade und setzte ihn auf den letzten Platz (17) mit mageren 6 Punkten.
2023: Teya & Salena / Who the Hell Is Edgar?
Teya & Salena vertraten Österreich 2023 beim Eurovision Song Contest in Liverpool mit dem Song Who the Hell Is Edgar?. Das Duo, bestehend aus den beiden Sängerinnen und Songwriterinnen Teodora Špirić (Teya) und Selina-Maria Edbauer (Salena), brachte mit dem augenzwinkernden Pop-Titel einen ungewöhnlich satirischen Beitrag auf die ESC-Bühne. Der Song kombiniert eingängige Beats mit einem humorvollen Text über den Geist des Schriftstellers Edgar Allan Poe und dient gleichzeitig als Kritik an den Schwierigkeiten und geringen Verdienstmöglichkeiten im Musikgeschäft. Mit einer auffälligen Performance und ihrem ironischen Ansatz sorgten Teya & Salena europaweit für Gesprächsstoff. Österreich erreichte mit Who the Hell Is Edgar? souverän das Finale und belegte dort den 15. Platz. Der Beitrag gilt als einer der originellsten und kreativsten ESC-Songs Österreichs der letzten Jahre.
Vorweg: Im Semifinale zählten nur die Zuschauer – und Teya & Salena rockten dort Platz 2. Im Finale sah die Sache dann anders aus: das Publikum verpasste ihnen die kalte Dusche des Tages – nur Platz 23 von 26. Lag´s vielleicht an der Startnummer 1? Wer weiß…
2024: Kaleen / We Will Rave
Kaleen, Sängerin, Tänzerin und Choreografin, vertrat 2024 Österreich beim Eurovision Song Contest in Malmö mit dem energiegeladenen, techno-inspirierten Popsong We Will Rave. Der Titel, komponiert von erfahrenen ESC-Autoren, verbindet Tanz, Musik und Emotion und soll eine Botschaft von Stärke, Heilung und positiver Energie vermitteln. Kaleen beschreibt den Song als „perfektes ESC-Song“, da er ihr ermöglicht, alles, was sie liebt, auf die Bühne zu bringen und das Publikum mitzunehmen. Der Song wurde am 1. März 2024 vorgestellt, das Musikvideo folgte wenige Tage später. Im zweiten Semifinale qualifizierte sich Kaleen als Neunte für das Finale, wo sie den vorletzten Platz belegte. Trotz des Ergebnisses bleibt We Will Rave ein mutiger, moderner Beitrag, der Österreich mit internationalem Club- und Rave-Sound beim ESC präsentierte.
Rave am letzten Startplatz im Finale, aber offenbar zu wenig: Sowohl Punkte als auch Platzierung landeten bei 24.
2025: JJ / Wasted Love
JJ (bürgerlich Johannes Pietsch), ein weiterer österreichischer Sänger mit philippinischen Wurzeln, gewann 2025 den Eurovision Song Contest in Basel mit dem Song Wasted Love. Der Titel kombiniert Opern- und Techno-Elemente und thematisiert Herzschmerz sowie unerwiderte Liebe. Geschrieben wurde der Song von JJ gemeinsam mit Teya und Thomas Thurner. Mit 436 Punkten setzte sich JJ gegen starke Konkurrenz, darunter Israel und Estland, durch. Seine Performance überzeugte durch emotionale Intensität und eine symbolträchtige Inszenierung. Wasted Love erreichte Platz 1 in den Charts in Österreich und Griechenland und wurde in Österreich mit Gold ausgezeichnet. Seit seiner Teilnahme am ESC hat JJ bislang zwei Songs veröffentlicht: Back To Forgetting und Haunting Me.
Bei der Jurywertung hieß es achtmal „Austria 12 Points!“. Bei den Zuschauern gab es zwar keine Zwölfer, dafür aber immerhin fünfmal 10 Punkte.
So oder so – für den Sieg hat es insgesamt gereicht.




