📷 EBU
Weil in Werbevideos dazu aufgerufen wurde, zehnmal für Israel abzustimmen, hat der Eurovision Song Contest den israelischen Sender KAN offiziell verwarnt. Die Clips wurden nach Intervention der Veranstalter innerhalb weniger Minuten entfernt.
ESC-Regeln, Verwarnungen und Konsequenzen
Martin Green, Direktor des Eurovision Song Contest, erklärte, dass die Organisatoren des Eurovision Song Contest am Freitag, dem 8. Mai, auf Videos aufmerksam wurden, in denen die Vertreterin des israelischen Senders KAN Zuschauer dazu aufrief, zehnmal für Israel abzustimmen. Innerhalb von 20 Minuten habe man KAN aufgefordert, die Verbreitung der Videos sofort zu stoppen und bereits veröffentlichte Inhalte von allen Plattformen zu entfernen, was umgehend umgesetzt worden sei. Zwar seien die Clips nicht Teil einer groß angelegten, finanzierten Werbekampagne gewesen, wie sie die ESC-Regeln ausdrücklich untersagen, ein direkter Aufruf, zehnmal für einen bestimmten Beitrag zu voten, widerspreche jedoch sowohl dem Regelwerk als auch dem Geist des Wettbewerbs. Aufgrund der großen Zahl abgegebener Stimmen und des Umstands, dass 50 Prozent der Punkte von Fachjurys vergeben werden, habe die Aktion keinen Einfluss auf das Gesamtergebnis. Dennoch habe man KAN formell verwarnt und angekündigt, weitere Werbemaßnahmen genau zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen.
Warum der aktuelle ESC-Fall neue Fragen zur Fairness des Wettbewerbs aufwirft?
Wenn ein Sender sein Publikum öffentlich dazu auffordert, zehnmal für den eigenen Beitrag zu stimmen, widerspricht das nicht nur klar den ESC-Regeln, sondern auch dem Grundgedanken des Wettbewerbs. Dass dieser Vorfall offiziell bestätigt wurde, stellt nun die naheliegende Frage: Ab wann ist eine Grenze überschritten, die eine Disqualifikation rechtfertigt?
Wir erinnern uns: 2024 wurde Joost Klein noch vor Abschluss der strafrechtlichen Klärung vom Eurovision Song Contest ausgeschlossen. Im aktuellen Fall steht hingegen ein nachweislicher Regelverstoß eines Senders im Raum, der offenbar versucht hat, das Voting aktiv zu beeinflussen – die Konsequenz: eine Verwarnung. Unabhängig davon, ob das Endergebnis dadurch tatsächlich beeinflusst wurde, stellt sich damit die Frage nach der Gleichbehandlung. Wenn einzelne Künstler relativ schnell disqualifiziert werden können, warum bleibt es bei einem Sender, der gegen zentrale Abstimmungsregeln verstößt, bei einer Ermahnung?




