Die VE-Saison 2026: Wer hat wirklich ins Schwarze getroffen? (2)

Den heutigen Teil dieses Serienspecials könnte ich wirklich „Jaulen, Jammern, Kreischen und Brüllen über den ganzen Kontinent“ nennen, denn es gab jede Menge davon bei den unten beschriebenen Vorentscheidungen – viel Spaß beim Lesen!

🇺🇦 Ukraine: Widbir

Bei der ukrainischen Vorentscheidung „Widbir“, die am 7. Februar stattfand, traten 10 Kandidaten an – und wie durch ein kleines Wunder haben Jury und Publikum einstimmig beschlossen: „Nehmen wir doch einfach Leléka!“ Sie darf also dieses Jahr Ukraine beim ESC vertreten, und zwar mit dem Song Ridnym. Das interessante daran: Die Top 3 Songs bekamen alle die gleiche Punktzahl – sowohl von der Jury als auch vom Publikum. Man könnte sagen, das waren auch (ganz zufällig natürlich) die besten Beiträge des Abends – obwohl ich den Siegertitel eigentlich ziemlich langweilig finde. Wenn ich entscheiden müsste, hätte ich mich aber wohl für den Zweitplatzierten Laud entschieden – mit seinem Song Lightkeeper, der einfach am internationalsten klingt.

Schade, dass sie ihn nicht nach Wien geschickt haben.

Was sonst noch (un)interessantes bei der ukrainischen Vorentscheidung passierte? Zum Beispiel die Gruppe ЩукаРиба – auf Deutsch: Hecht Fisch – die entweder sangen oder jaulten, je nachdem, wie man es sehen will, mit ihrem Song Моя земля (Meine Erde) und am Ende (verdient?) auf dem letzten Platz landeten. Dann gab es noch The Elliens mit ihrem Crawling Whispers, die wirklich außerirdisch aussahen (vor allem die Sängerin!) – und zufällig auf dem vorletzten Platz landeten. Auch ehemalige ukrainische Eurovision-Teilnehmerinnen wie Jerry Heil mit Catharticus auf Platz zwei und Monokate (Go-A) mit TYT auf Platz sechs haben auf der Bühne ziemlich gejault, äh, gesungen. Fazit: Bei der ukrainischen Vorentscheidung gab es also jede Menge musikalisches Jaulen – und manchmal auch ein bisschen außerirdische Performance-Action.

Aber selbst dieses Jaullen von Jerry war gar nicht so schlecht. Und sie wäre immer noch eine bessere Wahl gewesen als die Siegerin.

🇬🇷 Griechenland: Sing for Greece – Ethnikos Telikos

Was haben uns die Griechen dieses Jahr bei der Vorentscheidung so geboten? Zunächst einmal 28 Songs im Semifinale, von denen sich 14 ins Finale qualifizierten – und dort hat Akylas mit seinem Song Ferto verdient und mit maximaler Punktzahl gewonnen. Den sehen wir also schon voller Vorfreude in Wien. Kurz gesagt: wirklich der beste Song der griechischen Vorentscheidung, und wir können uns ziemlich sicher sein, dass er dieses Jahr beim ESC ordentlich punkten wird.

Wir werden ihm alles bringen, was er sich wünscht – Ferto heißt ja schließlich übersetzt: Bring es!

Wen soll ich da noch von den anderen Teilnehmern erwähnen, wenn doch alle erstens im Schatten von Akylas standen und zweitens einfach langweilig waren? Wirklich! So viele langweilige und gleichförmige Auftritte und Songs an einem Ort habe ich selten gesehen und gehört. Nur der Vollständigkeit halber: Auf Platz zwei landete Dark Side of the Moon – nicht das Album von Pink Floyd, sondern der Song von Good Job Nicky, wie er sich selbst nennt. Und der hat wirklich mit seinem Falsetto-Geschrei auf sich aufmerksam gemacht, als hätte jemand seine… na ja, ihr wisst schon… ordentlich gedrückt.

Was tut ihm denn so weh, dass er so schreien muss?

🇭🇷 Kroatien: Dora

Kroaten, Kroaten, was habt ihr da nur gewählt? Nicht vom Mars, sondern gleich aus unserer Nachbargalaxie Andromeda (so heißt der Song) sind fünf Mädels der Gruppe LELEK auf die Bühne gelandet. (Achtung: Nicht zu verwechseln mit der Ukrainerin Leléka!) Genau diese haben Jury und Publikum aus insgesamt 16 Kandidaten im Finale von „Dora“ ausgewählt, Kroatien beim ESC zu vertreten. Was soll ich zu Auftritt und Song sagen? Nun ja, außerirdisch, und das meine ich nicht unbedingt positiv: Für mich ist das alles nur ein weiterer Song in der Reihe von Jammer- und Wehklagsliedern. Ich bin echt gespannt, ob sie auch in Wien live wieder in den hohen Tönen „kreischen“, so wie bei „Dora“.

Andromedaaaaaaaaaa…auuuaaaaaaaa…

Was sonst noch bei „Dora“ passiert ist? Zuerst mal: Es traten insgesamt 24 Kandidaten in zwei Semifinali an, was bedeutet, dass 16 ins Finale kamen – pro Semifinale flogen also nur je vier Kandidaten raus. Man könnte ein Dora-Semifinale also auch nennen: „Lasst uns die vier schlechtesten Songs aussortieren.“ Keine Ahnung, ob ich selbst da zu den vier Schlechtesten gehört hätte… schaurig! Aber zurück zum Finale: Wenn ihr mich fragt – was ihr nicht tut – ich hätte Lima Len mit seinem Song Raketa nach Wien geschickt. Da singt er nämlich am meisten darüber, dass es ihm total egal ist, wenn Mädchen ein paar Kilo mehr auf die Waage bringen. Es wäre echt charmant gewesen, diesen altmodischen 90er-Sound in Wien live zu hören und zu sehen. Aber nein, wir bekommen stattdessen die andromedische Jammernummer, die „Dora“ dann doch souverän gewonnen hat.

Kulinarscher Auftritt bei Dora – Pastete, Salami, Cevapcici – alles war dabei!

🇩🇰 Dänemark: Dansk Melodi Grand Prix

Die dänische Vorentscheidung fand am 14. Februar statt, bei der acht Kandidaten antraten. Eine Jury aus 20 dänischen und internationalen ESC-Fans sowie das Publikum per App bestimmten zunächst drei Superfinalisten, bevor daraus ihr diesjähriger ESC-Vertreter gewählt wurde. Alle Songs des DMGP waren zwar ganz okay, aber keiner hatte so richtig diesen „Ah, DAS ist es!“-Moment. Am Ende setzte sich Søren Torpegaard Lund mit Før Vi Går Hjem (Bevor wir nach Hause gehen) gegen Sissal und Ericka Jane durch. Ob der Song wirklich der beste war, entscheidet ihr, aber seine Bühnenshow hat ihm vermutlich ordentlich beim Sieg geholfen.

Eine der Superfinalistinnen der dänischen Vorentscheidung war Ericka Jane mit dem durchaus interessanten Song Death Of Me, den in den 80ern locker auch Samantha Fox hätte singen können. Jüngere Leser fragen sich jetzt vermutlich: „Wer zur Hölle ist Samantha Fox?“ – keine Sorge, das lässt sich schnell hier nachholen 🡕. Einer der … sagen wir mal … auffälligsten Aspekte von Ericka Janes Auftritt war allerdings ein ganz bestimmtes Detail: der obere linke Zahn. Wer den Auftritt gesehen hat, hat sich garantiert – genau wie wir – die ganze Zeit gefragt, ob da ein Zahn fehlt oder ob er einfach nur besonders klein ist. Gebt’s zu!

Mit solchen optischen Kleinigkeiten kann man auch vom Song abgelenkt werden.

🇪🇪 Estland: Eesti Laul

Dieses Jahr haben die Organisatoren der estnischen Vorentscheidung die Teilnehmerzahl von 16 auf 12 reduziert und das Ganze auf einen einzigen Abend zusammengestaucht. Gewonnen hat, wie wir wissen, die Gruppe Vanilla Ninja, die schon 2005 für die Schweiz beim ESC antrat und nun ihr Heimatland mit dem Song Too Epic to Be True vertritt – wobei der Titel mehr verspricht, als der Song hält: weder besonders aussagekräftig noch irgendwie innovativ. Kurz gesagt: eher meh. Meine kühne Prognose? Estland sehen wir dieses Jahr eher nicht im ESC-Finale.

Das Einzige, was in diesem Song passiert, ist, dass das komplette Podest, auf dem die Mädels stehen, ein kleines Stück in die Luft gehoben wird – Spannung pur!

Gab’s bessere Alternativen? Eher nicht. Selbst der Zweitplatzierte NOËP, dem der Sieg nur um läppische 1 % entglitt, hätte mit Days Like This niemanden vom Hocker gehauen – auch nicht der Drittplatzierte Ollie mit seinem rockigen Slave. Fast unvorstellbar, dass gerade diese drei Songs ins Superfinale kamen. Noch unglaublicher: Keine einzige der vorgestellten Nummern hätte ich freiwillig auf die ESC-Bühne geschickt. Was also von den anderen Kandidaten erwähnen? Na gut, Robert Lina vielleicht – und auch nur, weil sein Vater Ivo Lina 1996 zusammen mit Maarja-Liis Ilus mit Kaelakee Hääl sensationell den fünften Platz beim ESC abgeräumt hat. Ansonsten: lieber vergessen. Stellt euch mal vor, es wären 16 solcher Songs gewesen?! Reine Folter! Gut, dass sie auf 12 reduziert haben – und selbst das war noch reichlich zu viel.

Leider hätte auch diese „Wilde Rose“ – so lautet die Übersetzung des Songtitels – beim ESC keinen nennenswerten Erfolg erzielt,
obwohl der Song an sich gar nicht so schlecht ist.

Fortsetzung folgt…

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