Im heutigen Teil dieser Serie gibt’s für euch glückliche Finnen, litauische Hörner und Kartoffelgesang, dazu noch ein österreichisches akustisches Abenteuer mit unvorhersehbaren Effekten – viel Spaß!
🇱🇻 Lettland: Supernova
Zwei Semifinale und ein Finale – so viel Aufwand brauchte es, um die lettische Vertreterin für den diesjährigen Eurovision Song Contest zu finden; insgesamt traten 24 Kandidaten an, von denen es 12 ins Finale schafften. Am Ende gewann Atvara mit dem Song Ēnā, einer sehr schönen und emotionalen Ballade mit interessanter Bühnenshow, die viel Gefühl und einen gewissen Wow-Effekt mitbringt – und sich damit ziemlich sicher einen Platz im ESC-Finale sichern dürfte.
Was könnte man sonst noch von der Supernova hervorheben? Vielleicht Tikasha Sakama (die Tänzerinnen sind ziemlich cool) mit #010126 Coda, die ein bisschen klingt wie die lettische Version von Billie Eilish, oder Krisy mit dem interessanten Take It – oder doch Emilija mit All We Ever Had, die fast jedes mal unter die Top 3 landet, aber es einfach nie schafft, Supernova zu gewinnen (fast schon ein Running Gag). Am Ende haben Jury und Publikum aber wohl die richtige Entscheidung getroffen und Atvara zum ESC geschickt.
Wird sie es jemals schaffen, diese Supernova zu gewinnen – oder bleibt sie für immer die „ewige Zweite“ mit VIP-Stammplatz im Finale?
🇦🇹 Österreich: Vienna Calling
Was haben wir bei unserer nationalen Auswahl „Vienna Calling“ geboten? Nun ja, zunächst einmal 12 Kandidaten, die insgesamt ganz okay waren. Am Ende haben Jury und Publikum gemeinsam Cosmó ausgewählt, der mit 12 Publikumspunkten nun mit Tanzschein auf heimischem Boden antreten darf (und wir hoffen einfach mal, dass es nicht so endet wie bei The Makemakes 2015…). Das Publikum setzte Bamlak Werner mit We Are Not Just One Thing auf Platz zwei, was für mich ehrlich gesagt ein kleines Rätsel bleibt: Der Song ist vielleicht ganz nett, aber der Auftritt? Ein oder zwei geschenkte Punkte sind zu verkraften – aber gleich 10?!
Bitte erklärt mir doch mal: Womit um Himmels willen verdient man bei diesem Auftritt 10 Punkte?!
Die Jury hatte übrigens Lena Schaur ganz vorne (beim Publikum „nur“ Platz 3), die Painted Reality wirklich fantastisch performt hat – und hätte sie gewonnen, wäre sie beim ESC bei den Jurys vermutlich ziemlich weit oben gelandet. Mein persönlicher Favorit in Sachen Komposition war allerdings Julia Steen mit Julia; und wie man so in österreichischen Pressekreisen munkelt, hat sie ihre rosa Jacke – oder nennen wir es lieber ein modisches Experiment mit Lammfell-Vibes – ein paar entscheidende Punkte gekostet.
Meine 12 Punkte gab’s – aber nur für den Song.
„Vienna Calling“ war mit 3 Stunden und 13 Minuten eine echte Geduldsprobe, und im Green Room wie bei den Experten wurde viel geredet. Die „armen“ Experten hatten wohl den Auftrag, nichts Schlechtes über die Songs zu sagen; anders kann ich mir ihr ständiges Lob für jeden einzelnen Beitrag kaum erklären. Auffällig ist auch, dass von 12 Songs gleich 6 auf Deutsch gesungen wurden. Die restlichen 6 wurden auf Englisch gesungen, von denen man einen kaum verstand. Über David Kurt, der Pockets Full of Snow sang, meinte man, er habe eine „interessante“ Stimme beim Singen, die rein gar nichts mit seiner normalen Sprechstimme zu tun habe – wie „interessant“ das wirklich war, zeigt die Tatsache, dass er der einzige Teilnehmer war, der mit 0 Punkten auf den letzten Platz landete.
Kann man das wirklich noch Singen nennen – oder war das eher eine Art akustisches Abenteuer mit unvorhersehbaren Effekten?
🇱🇹 Litauen: Eurovizija.LT
Die litauische nationale Vorentscheidung hat sich sechs ganze Wochen hingezogen, nur damit am Ende im Finale am 27. Februar 11 von insgesamt 40 Kandidaten um den Sieg und das ESC-Ticket nach Wien kämpfen konnten. Jury und Publikum entschieden gemeinsam über den Gewinner, und nach der Auszählung hatten zwei Kandidaten exakt gleich viele Punkte (22). Laut den Regeln des litauischen Auswahlverfahrens gewinnt in so einem Fall der Kandidat mit mehr Publikumspunkten – und das war Lion Ceccah mit Sólo quiero más. Die Pechvögel in dieser Geschichte waren die Gruppe SHWR mit Contact – da denkt man sich nur: „Tja, einmal kurz weggeguckt, und schon ist der Sieg futsch!“
So singe ich auch, wenn ich mir heiße Kartoffeln in den Mund stecke.
Von den anderen Finalisten könnte man noch Lolita Zero erwähnen, hinter der sich der litauische Schauspieler, Tänzer und Choreograf Gytis Ivanauskas verbirgt. Mit dem Song Salve in meum mundum sicherte er sich den 7. Platz. Bereits vor 10 Jahren stand er einmal bei der litauischen Vorentscheidung auf der Bühne mit Get Frighten und landete damals auf Platz 4 – man könnte sagen, er hat sich in der Rangliste ganz gemächlich „nach unten gearbeitet“.
In 10 Jahren ändert sich viel – aber die Hörner bleiben!
🇫🇮 Finnland: Uuden Musiikin Kilpailu
Am 28. Februar wählten die Finnen mit satten 570 Punkten – ganze 360 mehr als der Zweitplatzierte Antti Paalanen – Linda Lampenius × Pete Parkkonen, um sie mit Liekiniheitin (Flammenwerfer) beim ESC zu vertreten. Laut Wettbüros haben sie derzeit die höchsten Chancen auf den Sieg, und der Refrain ist wirklich ansteckend. Der Auftritt ruft meine Erinnerung an Madonnas Like A Prayer wach – nur dass bei Madonna Kreuze brennen und hier, nun ja, ein Beichstuhl in Flammen steht. Ob die Finnen die besten Chancen auf den Sieg wegen des Songs oder wegen der bekannten Geigerin Linda haben – für die ich bisher ehrlich gesagt noch nie etwas gehört habe – weiß ich nicht. Aber eines ist sicher: Linda möchte in Wien live auf der Bühne Geige spielen, wie im Vorjahr der Italiener seine Mundharmonika, und ob die EBU das in ihrem Fall ebenfalls erlaubt, bleibt spannend.
Alle anderen Kandidaten blieben im Schatten des Siegers – kaum der Erwähnung wert. Aber eine möchte ich doch hervorheben: Sonja Lumme, die mit Eläköön elämä 1985 beim ESC in Göteborg den 9. Platz belegte und im Pausenact für Freude sorgte – also quasi die Urgroßmutter der ESC-Finnen, die als die glücklichste Nation der Welt gelten! Und wenn sie noch beim ESC in Wien den Sieg holen, dann hört die Freude wohl wirklich nie mehr auf!
Fortsetzung folgt…




